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Health & Wellness

Typ-2-Diabetes: Diese Medikamente sollen Ärzte deutlich früher verordnen

Experten sprechen sich dafür aus, Typ-2-Diabetes schneller mit modernen Medikamenten zu behandeln. Dadurch sollen Folgeschäden besser verhindert werden.

Richtungswechsel bei Diabetes Experten geben neue Empfehlungen

Experten sprechen sich dafür aus, Typ-2-Diabetes schneller mit modernen Medikamenten zu behandeln. Dadurch sollen Folgeschäden besser verhindert werden.

Bei Typ-2-Diabetes sind die Blutzuckerwerte krankhaft erhöht. Daher konzentrierte sich die Behandlung lange vor allem auf den Blutzucker. Ein neues Konsensuspapier der American Diabetes Association (ADA) und der European Association for the Study of Diabetes (EASD) erweitert nun den Blick: Ärzte sollen von Anfang an auch Herz, Nieren, Gewicht und langfristige Risiken berücksichtigen. Medikamente könnten dadurch früher eingesetzt werden.

Melanie J. Davies, Professorin für Diabetologie an der University of Leicester und Co-Vorsitzende des Autorengremiums, sieht in den neuen Empfehlungen laut "Medscape" einen Richtungswechsel in der Diabetestherapie.

Das internationale Autorenteam stellte die Empfehlungen auf dem EASD-Jahreskongress 2026 in Mailand vor. Sie aktualisieren damit die Empfehlungen diabetologischer Fachgesellschaften aus dem Jahr 2022. Der Bericht wurde in den Fachzeitschriften "Diabetes Care" und "Diabetologia" veröffentlicht.

Früherer Einsatz von Medikamenten soll Organe schützen

Im Mittelpunkt stehen die Diabetesmedikamente SGLT2-Hemmer und GLP-1-basierte Therapien wie Semaglutid. Nach den neuen Empfehlungen kommen diese Wirkstoffe für viele Menschen früher infrage, möglicherweise schon ab der Diagnose des Typ-2-Diabetes. Auf diese Weise sollen sie nicht nur den Blutzucker kontrollieren, sondern auch Organe wie Herz und Nieren schützen und langfristige Komplikationen verhindern.

SGLT2-Hemmer sorgen dafür, dass die Nieren mehr Zucker über den Urin ausscheiden. GLP-1-basierte Mittel ahmen ein Darmhormon nach. Sie senken den Blutzucker und können das Gewicht beeinflussen, weshalb sie auch als Mittel gegen starkes Übergewicht (Adipositas) eingesetzt werden.

Der HbA1c-Wert, der den durchschnittlichen Blutzucker der vergangenen acht bis zwölf Wochen abbildet, entscheidet dabei nicht mehr allein über die Wahl der Therapie. Ärzte sollen auch Vorerkrankungen und das persönliche Risiko für Organschäden berücksichtigen.

Konkret gibt das Konsensuspapier folgende Empfehlungen:

Herz-Kreislauf-Erkrankung: Ärzte können früh einen SGLT2-Hemmer oder eine GLP-1-basierte Therapie einsetzen. Dabei entscheidet nicht allein der HbA1c-Wert, sondern vor allem der mögliche Schutz von Herz und Nieren.

Chronische Nierenerkrankung: SGLT2-Hemmer bilden die Grundlage, um Herzschwäche und weitere Nierenschäden zu verhindern. Eine GLP-1-basierte Therapie kann zusätzlich das Risiko schwerer Herz-Kreislauf-Ereignisse und weiterer Nierenprobleme senken. Das Papier hebt Semaglutid als Möglichkeit hervor, das Fortschreiten der Nierenerkrankung zu bremsen.

Nierenerkrankung mit vermehrter Eiweißausscheidung: Zusätzlich kommt Finerenon infrage. Der Wirkstoff gehört zu den nichtsteroidalen Mineralokortikoid-Rezeptor-Antagonisten und soll Herz und Nieren schützen.

Herzschwäche: SGLT2-Hemmer sollen früh zum Einsatz kommen. Bei Herzschwäche mit erhaltener Pumpkraft und gleichzeitigem Übergewicht kommen auch Semaglutid oder Tirzepatid infrage.

Herz-Kreislauf- und Nierenerkrankung beziehungsweise Herzschwäche gleichzeitig: Ärzte sollen früh eine Kombination aus SGLT2-Hemmer und GLP-1-basierter Therapie prüfen.

Durchblutungsstörungen der Beine: Bei einer peripheren arteriellen Verschlusskrankheit kommt Semaglutid infrage, um Beschwerden zu lindern.

Fettlebererkrankung: Erstmals geben die Fachleute auch konkrete Empfehlungen für metabolisch bedingte Fettlebererkrankungen. Bei Adipositas und einer metabolisch bedingten Fettleber (MASLD) kommt eine GLP-1-basierte Therapie infrage. Liegt zusätzlich eine Leberentzündung vor (MASH), können Ärzte eine GLP-1-basierte Therapie, Pioglitazon oder eine Kombination prüfen.

Adipositas und Schlafapnoe: GLP-1-basierte Therapien können beide Erkrankungen gleichzeitig günstig beeinflussen.

Früh auftretender Typ-2-Diabetes: Auch hier sollen Ärzte SGLT2-Hemmer und GLP-1-basierte Therapien früh prüfen – einzeln oder in Kombination.

Die Empfehlungen setzen damit auf eine frühere und stärker personalisierte Therapie. Besonders Menschen mit Herz-, Nieren- oder Lebererkrankungen könnten profitieren.

Für Menschen mit kaum erhöhtem Blutzucker und geringem Risiko für Organschäden erlaubt das Papier dagegen weiterhin ein schrittweises Vorgehen mit den Medikamenten.

Aber: Die modernen Therapien mit SGLT2-Hemmern und GLP-1-Rezeptoragonisten haben – wortwörtlich – ihren Preis. Sie sind deutlich teurer als bewährte Diabetesmedikamente wie Metformin und Sulfonylharnstoffe. Der unabhängige Berater Charles Alexander sieht laut "Medscape" daher mögliche Hürden beim Zugang zu den neuen Therapien – vor allem in den USA.

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Lebensstil bleibt wichtige Säule der Behandlung

Auch moderne Medikamente ersetzen keinen gesunden Lebensstil. Das Papier bündelt seine Empfehlungen im sogenannten 24-Stunden-Verhaltensmodell. Es betrachtet Bewegung, Sitzen und Schlaf nicht getrennt, sondern als Teile eines gesamten Tages. Als Orientierung dienen die "5 S":

Standing steht für regelmäßige Pausen vom Sitzen, besonders nach den Mahlzeiten.

Stepping meint mehr Schritte im Alltag. Die Fachleute nennen etwa 8.000 bis 10.000 Schritte für jüngere und 6.000 bis 8.000 für ältere Erwachsene. Wer deutlich weniger schafft, kann seine tägliche Schrittzahl zunächst um 500 bis 1.000 erhöhen.

Sweating beschreibt mindestens 150 Minuten mäßige bis intensive Ausdauerbewegung pro Woche. Kurze Wege in schnellem Gehen oder Treppensteigen zählen dabei ebenso wie gezieltes Training.

Strengthening umfasst Krafttraining für die großen Muskelgruppen an zwei bis drei Tagen pro Woche.

Sleeping steht für sieben bis acht Stunden guten und möglichst regelmäßigen Schlaf pro Nacht.

Eine starre Diabetesdiät empfehlen die Fachleute nicht. Vollkornprodukte, Hülsenfrüchte, Gemüse, Obst und gesunde Fette sollen den Speiseplan prägen. Besonders Menschen mit einer Herz-Kreislauf-Erkrankung raten sie zu mediterraner Ernährung. Kohlenhydratarme Kost kann kurzfristig helfen; langfristige Vorteile bleiben weniger gut belegt.

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Schulungen, psychologische Unterstützung und Hilfe beim Gewichtsmanagement ergänzen den Ansatz. Ärzte sollen außerdem soziale Hindernisse berücksichtigen und gemeinsam mit den Betroffenen realistische Ziele festlegen.

diabetesjournals.org: "Management of Type 2 Diabetes, 2026. A Consensus Report by the American Diabetes Association (ADA) and the European Association for the Study of Diabetes (EASD)". (Stand: Oktober 2026; englisch)

medscape.com: "Neue Empfehlungen: Welche Medikamente Ärzte bei Typ-2-Diabetes deutlich früher verordnen sollten". (Stand: Oktober 2026)

gelbe-liste.de: "SGLT-2-Inhibitoren (Gliflozine)"

gelbe-liste.de: "GLP-1-Rezeptoragonisten (Inkretinmimetika)"

Die Informationen ersetzen keine ärztliche Beratung und dürfen daher nicht zur Selbsttherapie verwendet werden.

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Bei Typ-2-Diabetes sind die Blutzuckerwerte krankhaft erhöht. Daher konzentrierte sich die Behandlung lange vor allem auf den Blutzucker. Ein neues Konsensuspapier der American Diabetes Association (ADA) und der European Association for the Study of Diabetes (EASD) erweitert nun den Blick: Ärzte sollen von Anfang an auch Herz, Nieren, Gewicht und langfristige Risiken berücksichtigen. Medikamente könnten dadurch früher eingesetzt werden.

Melanie J. Davies, Professorin für Diabetologie an der University of Leicester und Co-Vorsitzende des Autorengremiums, sieht in den neuen Empfehlungen laut "Medscape" einen Richtungswechsel in der Diabetestherapie.

Das internationale Autorenteam stellte die Empfehlungen auf dem EASD-Jahreskongress 2026 in Mailand vor. Sie aktualisieren damit die Empfehlungen diabetologischer Fachgesellschaften aus dem Jahr 2022. Der Bericht wurde in den Fachzeitschriften "Diabetes Care" und "Diabetologia" veröffentlicht.

Früherer Einsatz von Medikamenten soll Organe schützen

Im Mittelpunkt stehen die Diabetesmedikamente SGLT2-Hemmer und GLP-1-basierte Therapien wie Semaglutid. Nach den neuen Empfehlungen kommen diese Wirkstoffe für viele Menschen früher infrage, möglicherweise schon ab der Diagnose des Typ-2-Diabetes. Auf diese Weise sollen sie nicht nur den Blutzucker kontrollieren, sondern auch Organe wie Herz und Nieren schützen und langfristige Komplikationen verhindern.

SGLT2-Hemmer sorgen dafür, dass die Nieren mehr Zucker über den Urin ausscheiden. GLP-1-basierte Mittel ahmen ein Darmhormon nach. Sie senken den Blutzucker und können das Gewicht beeinflussen, weshalb sie auch als Mittel gegen starkes Übergewicht (Adipositas) eingesetzt werden.

Der HbA1c-Wert, der den durchschnittlichen Blutzucker der vergangenen acht bis zwölf Wochen abbildet, entscheidet dabei nicht mehr allein über die Wahl der Therapie. Ärzte sollen auch Vorerkrankungen und das persönliche Risiko für Organschäden berücksichtigen.

Konkret gibt das Konsensuspapier folgende Empfehlungen:

Herz-Kreislauf-Erkrankung: Ärzte können früh einen SGLT2-Hemmer oder eine GLP-1-basierte Therapie einsetzen. Dabei entscheidet nicht allein der HbA1c-Wert, sondern vor allem der mögliche Schutz von Herz und Nieren.

Chronische Nierenerkrankung: SGLT2-Hemmer bilden die Grundlage, um Herzschwäche und weitere Nierenschäden zu verhindern. Eine GLP-1-basierte Therapie kann zusätzlich das Risiko schwerer Herz-Kreislauf-Ereignisse und weiterer Nierenprobleme senken. Das Papier hebt Semaglutid als Möglichkeit hervor, das Fortschreiten der Nierenerkrankung zu bremsen.

Nierenerkrankung mit vermehrter Eiweißausscheidung: Zusätzlich kommt Finerenon infrage. Der Wirkstoff gehört zu den nichtsteroidalen Mineralokortikoid-Rezeptor-Antagonisten und soll Herz und Nieren schützen.

Herzschwäche: SGLT2-Hemmer sollen früh zum Einsatz kommen. Bei Herzschwäche mit erhaltener Pumpkraft und gleichzeitigem Übergewicht kommen auch Semaglutid oder Tirzepatid infrage.

Herz-Kreislauf- und Nierenerkrankung beziehungsweise Herzschwäche gleichzeitig: Ärzte sollen früh eine Kombination aus SGLT2-Hemmer und GLP-1-basierter Therapie prüfen.

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Fettlebererkrankung: Erstmals geben die Fachleute auch konkrete Empfehlungen für metabolisch bedingte Fettlebererkrankungen. Bei Adipositas und einer metabolisch bedingten Fettleber (MASLD) kommt eine GLP-1-basierte Therapie infrage. Liegt zusätzlich eine Leberentzündung vor (MASH), können Ärzte eine GLP-1-basierte Therapie, Pioglitazon oder eine Kombination prüfen.

Adipositas und Schlafapnoe: GLP-1-basierte Therapien können beide Erkrankungen gleichzeitig günstig beeinflussen.

Früh auftretender Typ-2-Diabetes: Auch hier sollen Ärzte SGLT2-Hemmer und GLP-1-basierte Therapien früh prüfen – einzeln oder in Kombination.

Die Empfehlungen setzen damit auf eine frühere und stärker personalisierte Therapie. Besonders Menschen mit Herz-, Nieren- oder Lebererkrankungen könnten profitieren.

Für Menschen mit kaum erhöhtem Blutzucker und geringem Risiko für Organschäden erlaubt das Papier dagegen weiterhin ein schrittweises Vorgehen mit den Medikamenten.

Aber: Die modernen Therapien mit SGLT2-Hemmern und GLP-1-Rezeptoragonisten haben – wortwörtlich – ihren Preis. Sie sind deutlich teurer als bewährte Diabetesmedikamente wie Metformin und Sulfonylharnstoffe. Der unabhängige Berater Charles Alexander sieht laut "Medscape" daher mögliche Hürden beim Zugang zu den neuen Therapien – vor allem in den USA.

Vorstufen der Zuckerkrankheit: Diabetes entdecken, bevor er richtig ausbricht

Lebensstil bleibt wichtige Säule der Behandlung

Auch moderne Medikamente ersetzen keinen gesunden Lebensstil. Das Papier bündelt seine Empfehlungen im sogenannten 24-Stunden-Verhaltensmodell. Es betrachtet Bewegung, Sitzen und Schlaf nicht getrennt, sondern als Teile eines gesamten Tages. Als Orientierung dienen die "5 S":

Standing steht für regelmäßige Pausen vom Sitzen, besonders nach den Mahlzeiten.

Stepping meint mehr Schritte im Alltag. Die Fachleute nennen etwa 8.000 bis 10.000 Schritte für jüngere und 6.000 bis 8.000 für ältere Erwachsene. Wer deutlich weniger schafft, kann seine tägliche Schrittzahl zunächst um 500 bis 1.000 erhöhen.

Sweating beschreibt mindestens 150 Minuten mäßige bis intensive Ausdauerbewegung pro Woche. Kurze Wege in schnellem Gehen oder Treppensteigen zählen dabei ebenso wie gezieltes Training.

Strengthening umfasst Krafttraining für die großen Muskelgruppen an zwei bis drei Tagen pro Woche.

Sleeping steht für sieben bis acht Stunden guten und möglichst regelmäßigen Schlaf pro Nacht.

Eine starre Diabetesdiät empfehlen die Fachleute nicht. Vollkornprodukte, Hülsenfrüchte, Gemüse, Obst und gesunde Fette sollen den Speiseplan prägen. Besonders Menschen mit einer Herz-Kreislauf-Erkrankung raten sie zu mediterraner Ernährung. Kohlenhydratarme Kost kann kurzfristig helfen; langfristige Vorteile bleiben weniger gut belegt.

Krankheit kann sogar verschwinden: So sehr zahlt sich Abnehmen bei Diabetes aus

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Schulungen, psychologische Unterstützung und Hilfe beim Gewichtsmanagement ergänzen den Ansatz. Ärzte sollen außerdem soziale Hindernisse berücksichtigen und gemeinsam mit den Betroffenen realistische Ziele festlegen.

diabetesjournals.org: "Management of Type 2 Diabetes, 2026. A Consensus Report by the American Diabetes Association (ADA) and the European Association for the Study of Diabetes (EASD)". (Stand: Oktober 2026; englisch)

medscape.com: "Neue Empfehlungen: Welche Medikamente Ärzte bei Typ-2-Diabetes deutlich früher verordnen sollten". (Stand: Oktober 2026)

gelbe-liste.de: "SGLT-2-Inhibitoren (Gliflozine)"

gelbe-liste.de: "GLP-1-Rezeptoragonisten (Inkretinmimetika)"

Die Informationen ersetzen keine ärztliche Beratung und dürfen daher nicht zur Selbsttherapie verwendet werden.

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Bildrechte: Lynn Zimmermann

Quelle: t-online Gesundheit · Originalartikel

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