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Health & Wellness

Cochrane-Studie: Wie Pharma-Firmen Ihre Ärzte beeinflussen

Ärzte, die Geschenke von Pharmafirmen erhalten, verordnen mehr Medikamente. Wie können Patienten sich vor falschen Verordnungen schützen?

Medikamente vom Arzt Wie andere beeinflussen, was Patienten bekommen

Ärzte, die Geschenke von Pharmafirmen erhalten, verschreiben mehr Medikamente – und häufiger Mittel, die nicht offiziell empfohlen werden. Wie können Patienten sich schützen?

Ein Gratis-Mittagessen, eine Einladung zum Fachkongress, ein Honorar für einen Vortrag: Pharmaunternehmen tun viel, um die Aufmerksamkeit von Ärzten zu gewinnen. Mit solchen Zuwendungen versuchen sie auch zu beeinflussen, welche Medikamente Ärzte ihren Patienten verschreiben. Aber funktioniert das tatsächlich?

Eine neue große Untersuchung legt genau das nahe. Ärzte, die Geld oder Geschenke von Pharmaunternehmen bekommen, verordnen insgesamt öfter Arzneimittel und halten sich dabei seltener an offizielle medizinische Empfehlungen.

Die auf Pharmapolitik spezialisierte Wissenschaftlerin Barbara Mintzes von der Universität Sydney und ihre Arbeitsgruppe führten keine eigenen Experimente durch. Stattdessen wertete das Team 93 bereits veröffentlichte Studien zu seiner Fragestellung aus. Von diesen stammten 82 aus den USA und elf aus Europa. Die Studien untersuchten verschiedene Arten von Einflussversuchen der Pharmahersteller:

Geschenke und Zahlungen: Pharmafirmen laden Ärzte mitunter zum Mittagessen ein, übernehmen Reise- und Übernachtungskosten für Fachkongresse oder bezahlen ihnen Honorare für Vorträge.

Kostenlose Medikamentenmuster: Pharmaunternehmen geben Ärzten kostenlose Probepackungen ihrer Arzneimittel, die diese an Patienten weitergeben können.

Die Wissenschaftler verglichen nun, wie Ärzte mit solchen Kontakten zur Pharmaindustrie und ohne sie Medikamente verschrieben.

Vor allem Geschenke und Honorare wirken sich aus

Die Analyse zeichnet ein klares Bild: Ärzte, die Geschenke oder Zahlungen von Pharmafirmen erhalten, verschreiben öfter Mittel, die nicht den medizinischen Behandlungsempfehlungen entsprechen. Das ergaben zehn Studien mit insgesamt rund 2,9 Millionen Ärzten und anderen verschreibenden Fachpersonen.

In 39 Studien mit rund 3,9 Millionen Verordnenden zeigte sich außerdem, dass Ärzte mit solchen Zuwendungen insgesamt mehr Medikamente verschrieben.

Manche Ärzte erhalten auch Geld dafür, dass sie ein Pharmaunternehmen beraten oder dokumentieren, wie Patienten ein bestimmtes Medikament vertragen. Wozu das führen kann, zeigt eine Studie aus Deutschland: Ärzte, die gegen Bezahlung die Anwendung eines Medikaments dokumentierten, verordneten davon im Jahr ihrer Teilnahme acht Prozent mehr Packungen als vergleichbare Kollegen ohne eine solche Tätigkeit. Im darauffolgenden Jahr waren es immer noch sieben Prozent mehr.

Die Befunde sprechen für eine Dosis-Wirkungs-Beziehung: Je häufiger Ärzte solche Zuwendungen erhalten oder je wertvoller sie sind, desto deutlicher fallen die Veränderungen aus. Dieses Muster fanden die Forscher in 49 der 62 Studien zu Geschenken und Zahlungen – also in fast 80 Prozent.

Allerdings zeigte sich in den Studien auch, dass bereits eine von der Pharmafirma bezahlte Mahlzeit mit Veränderungen bei den Verordnungen einhergehen kann. Teure Geschenke braucht es dafür nicht.

In einer Pressemitteilung sagt Studienautorin Barbara Mintzes über Ärzte, die solche Einladungen für harmlos halten: "Sie glauben, man könne sie nicht 'für ein belegtes Brötchen kaufen'. Die Daten zeigen aber, dass diese Marketingstrategie wirkt."

Fast alle ausgewerteten Studien sind Beobachtungsstudien. Diese können keine ursächlichen Zusammenhänge beweisen. Ob die Zuwendungen der Pharmafirmen tatsächlich die Ursache für das veränderte Verschreibungsverhalten waren, lässt sich also nicht mit Gewissheit sagen.

Denkbar wären auch andere Erklärungen: Pharmafirmen könnten beispielsweise gezielt Ärzte ansprechen, die ihre Medikamente ohnehin schon häufig verordnen.

Dennoch halten die Forscher einen ursächlichen Zusammenhang für wahrscheinlich: Die Ergebnisse lassen über verschiedene Länder und Medikamente hinweg dieselbe Tendenz erkennen. Zudem änderten Ärzte ihr Verschreibungsverhalten häufig erst nach den Zuwendungen – und umso stärker, je mehr sie erhielten.

Was Patienten ihren Arzt fragen können

Patienten sollten aus den Ergebnissen nicht schlussfolgern, dass jedes Rezept fragwürdig ist. Vor allem sollten sie verschriebene Medikamente niemals eigenmächtig absetzen, das kann gefährliche Folgen haben.

Stattdessen ist es empfehlenswert, Fragen und Bedenken mit dem behandelnden Arzt zu besprechen und im Zweifel genauer nachzuhaken:

Nach dem Nutzen fragen: Warum brauche ich dieses Medikament, und was bringt es mir konkret?

Alternativen ansprechen: Gibt es ein ebenso wirksames, besser verträgliches oder günstigeres Mittel?

Die Behandlungsdauer klären: Wie lange muss ich das Medikament nehmen, und wann überprüfen wir, ob ich es noch brauche?

Eine zweite Meinung einholen: Besonders bei einer langfristigen Behandlung mit mehreren Medikamenten kann eine unabhängige ärztliche Einschätzung sinnvoll sein.

Patienten können sich auch direkt bei ihrem Arzt erkundigen, ob er Geld oder andere Zuwendungen von Pharmaunternehmen erhält.

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Wer selbst recherchieren möchte, findet auf der Webseite des Vereins Freiwillige Selbstkontrolle für die Arzneimittelindustrie (FSA) Links zu den veröffentlichten Zahlungen von Pharmafirmen. Die Listen sind allerdings unvollständig: Für das Jahr 2025 lag die Quote der Einwilligungen zur namentlichen Veröffentlichung laut FSA bei nur 26 Prozent. Wer seinen Arzt dort nicht findet, kann daraus also nicht schließen, dass dieser keine Zuwendungen erhalten hat.

Mintzes, B., et al.: "Pharmaceutical industry information and promotional strategies aimed at prescribers". Cochrane Database of Systematic Reviews 2026, Iss. 10, Art. No.: CD013423 (Oktober 2026)

"Cochrane Review: Geschenke und Honorare von Pharmafirmen verschlechtern die Qualität ärztlicher Verordnungen". Pressemitteilung von Cochrane Deutschland: idw-online.de (Stand: 9.10.2026)

Online-Informationen des Vereins Freiwillige Selbstkontrolle für die Arzneimittelindustrie e.V.: www.fsa-pharma.de (Abrufdatum: 9.10.2026)

Die Informationen ersetzen keine ärztliche Beratung und dürfen daher nicht zur Selbsttherapie verwendet werden.

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Ein Gratis-Mittagessen, eine Einladung zum Fachkongress, ein Honorar für einen Vortrag: Pharmaunternehmen tun viel, um die Aufmerksamkeit von Ärzten zu gewinnen. Mit solchen Zuwendungen versuchen sie auch zu beeinflussen, welche Medikamente Ärzte ihren Patienten verschreiben. Aber funktioniert das tatsächlich?

Eine neue große Untersuchung legt genau das nahe. Ärzte, die Geld oder Geschenke von Pharmaunternehmen bekommen, verordnen insgesamt öfter Arzneimittel und halten sich dabei seltener an offizielle medizinische Empfehlungen.

Die auf Pharmapolitik spezialisierte Wissenschaftlerin Barbara Mintzes von der Universität Sydney und ihre Arbeitsgruppe führten keine eigenen Experimente durch. Stattdessen wertete das Team 93 bereits veröffentlichte Studien zu seiner Fragestellung aus. Von diesen stammten 82 aus den USA und elf aus Europa. Die Studien untersuchten verschiedene Arten von Einflussversuchen der Pharmahersteller:

Geschenke und Zahlungen: Pharmafirmen laden Ärzte mitunter zum Mittagessen ein, übernehmen Reise- und Übernachtungskosten für Fachkongresse oder bezahlen ihnen Honorare für Vorträge.

Kostenlose Medikamentenmuster: Pharmaunternehmen geben Ärzten kostenlose Probepackungen ihrer Arzneimittel, die diese an Patienten weitergeben können.

Die Wissenschaftler verglichen nun, wie Ärzte mit solchen Kontakten zur Pharmaindustrie und ohne sie Medikamente verschrieben.

Vor allem Geschenke und Honorare wirken sich aus

Die Analyse zeichnet ein klares Bild: Ärzte, die Geschenke oder Zahlungen von Pharmafirmen erhalten, verschreiben öfter Mittel, die nicht den medizinischen Behandlungsempfehlungen entsprechen. Das ergaben zehn Studien mit insgesamt rund 2,9 Millionen Ärzten und anderen verschreibenden Fachpersonen.

In 39 Studien mit rund 3,9 Millionen Verordnenden zeigte sich außerdem, dass Ärzte mit solchen Zuwendungen insgesamt mehr Medikamente verschrieben.

Manche Ärzte erhalten auch Geld dafür, dass sie ein Pharmaunternehmen beraten oder dokumentieren, wie Patienten ein bestimmtes Medikament vertragen. Wozu das führen kann, zeigt eine Studie aus Deutschland: Ärzte, die gegen Bezahlung die Anwendung eines Medikaments dokumentierten, verordneten davon im Jahr ihrer Teilnahme acht Prozent mehr Packungen als vergleichbare Kollegen ohne eine solche Tätigkeit. Im darauffolgenden Jahr waren es immer noch sieben Prozent mehr.

Die Befunde sprechen für eine Dosis-Wirkungs-Beziehung: Je häufiger Ärzte solche Zuwendungen erhalten oder je wertvoller sie sind, desto deutlicher fallen die Veränderungen aus. Dieses Muster fanden die Forscher in 49 der 62 Studien zu Geschenken und Zahlungen – also in fast 80 Prozent.

Allerdings zeigte sich in den Studien auch, dass bereits eine von der Pharmafirma bezahlte Mahlzeit mit Veränderungen bei den Verordnungen einhergehen kann. Teure Geschenke braucht es dafür nicht.

In einer Pressemitteilung sagt Studienautorin Barbara Mintzes über Ärzte, die solche Einladungen für harmlos halten: "Sie glauben, man könne sie nicht 'für ein belegtes Brötchen kaufen'. Die Daten zeigen aber, dass diese Marketingstrategie wirkt."

Fast alle ausgewerteten Studien sind Beobachtungsstudien. Diese können keine ursächlichen Zusammenhänge beweisen. Ob die Zuwendungen der Pharmafirmen tatsächlich die Ursache für das veränderte Verschreibungsverhalten waren, lässt sich also nicht mit Gewissheit sagen.

Denkbar wären auch andere Erklärungen: Pharmafirmen könnten beispielsweise gezielt Ärzte ansprechen, die ihre Medikamente ohnehin schon häufig verordnen.

Dennoch halten die Forscher einen ursächlichen Zusammenhang für wahrscheinlich: Die Ergebnisse lassen über verschiedene Länder und Medikamente hinweg dieselbe Tendenz erkennen. Zudem änderten Ärzte ihr Verschreibungsverhalten häufig erst nach den Zuwendungen – und umso stärker, je mehr sie erhielten.

Was Patienten ihren Arzt fragen können

Patienten sollten aus den Ergebnissen nicht schlussfolgern, dass jedes Rezept fragwürdig ist. Vor allem sollten sie verschriebene Medikamente niemals eigenmächtig absetzen, das kann gefährliche Folgen haben.

Stattdessen ist es empfehlenswert, Fragen und Bedenken mit dem behandelnden Arzt zu besprechen und im Zweifel genauer nachzuhaken:

Nach dem Nutzen fragen: Warum brauche ich dieses Medikament, und was bringt es mir konkret?

Alternativen ansprechen: Gibt es ein ebenso wirksames, besser verträgliches oder günstigeres Mittel?

Die Behandlungsdauer klären: Wie lange muss ich das Medikament nehmen, und wann überprüfen wir, ob ich es noch brauche?

Eine zweite Meinung einholen: Besonders bei einer langfristigen Behandlung mit mehreren Medikamenten kann eine unabhängige ärztliche Einschätzung sinnvoll sein.

Patienten können sich auch direkt bei ihrem Arzt erkundigen, ob er Geld oder andere Zuwendungen von Pharmaunternehmen erhält.

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Wer selbst recherchieren möchte, findet auf der Webseite des Vereins Freiwillige Selbstkontrolle für die Arzneimittelindustrie (FSA) Links zu den veröffentlichten Zahlungen von Pharmafirmen. Die Listen sind allerdings unvollständig: Für das Jahr 2025 lag die Quote der Einwilligungen zur namentlichen Veröffentlichung laut FSA bei nur 26 Prozent. Wer seinen Arzt dort nicht findet, kann daraus also nicht schließen, dass dieser keine Zuwendungen erhalten hat.

Mintzes, B., et al.: "Pharmaceutical industry information and promotional strategies aimed at prescribers". Cochrane Database of Systematic Reviews 2026, Iss. 10, Art. No.: CD013423 (Oktober 2026)

"Cochrane Review: Geschenke und Honorare von Pharmafirmen verschlechtern die Qualität ärztlicher Verordnungen". Pressemitteilung von Cochrane Deutschland: idw-online.de (Stand: 9.10.2026)

Online-Informationen des Vereins Freiwillige Selbstkontrolle für die Arzneimittelindustrie e.V.: www.fsa-pharma.de (Abrufdatum: 9.10.2026)

Die Informationen ersetzen keine ärztliche Beratung und dürfen daher nicht zur Selbsttherapie verwendet werden.

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Bildrechte: Lydia Klöckner

Quelle: t-online Gesundheit · Originalartikel

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