In der russischen Region Irkutsk steht eine Klinik unter Quarantäne. Eine junge Frau soll an Lungenpest gestorben sein – offiziell bestätigt ist der Fall aber nicht.
Behörden schweigen Pest wohl in Russland ausgebrochen: Klinik abgeriegelt
In der russischen Region Irkutsk steht eine Klinik unter Quarantäne. Eine junge Frau soll an Lungenpest gestorben sein – offiziell bestätigt ist der Fall aber nicht.
Die stationäre Abteilung eines Kreiskrankenhauses in Schelechow, einer Stadt nahe der sibirischen Regionalhauptstadt Irkutsk, ist abgeriegelt. Auslöser ist nach Behördenangaben der Verdacht auf eine "besonders gefährliche Infektion" bei einer Patientin. Verschiedenen Medienberichten zufolge soll die Frau an der Lungenpest gestorben sein, einer Form der Pest, die die Lunge befällt und über Tröpfchen von Mensch zu Mensch übertragen werden kann.
Den Berichten zufolge wurde die Frau am Dienstag mit schweren Symptomen einer Lungenentzündung aufgenommen, künstlich beatmet und starb am Donnerstag. Eine offizielle Bestätigung des Todesfalls durch die Gesundheitsbehörden liegt bis heute nicht vor.
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Erste Hinweise auf die Schließung tauchten am Abend des 1. Oktober in sozialen Netzwerken auf. Am folgenden Tag bestätigte Kreisbürgermeister Maxim Modin die Quarantäne. Die Ambulanz des Hauses bleibt geöffnet.
Darstellungen aus Russland widersprechen sich
Wie sich die Frau angesteckt haben soll, ist unklar. Eine Darstellung besagt, sie sei nach der Rückkehr aus Thailand erkrankt. Die von mehreren Redaktionen gestützte und dominierende Version lautet anders: Darja S. soll Laborantin am Irkutsker Antipest-Institut gewesen sein, einer Forschungseinrichtung, in der mit lebenden Pest-Erregern gearbeitet wird.
Beim Vorbereiten von Proben sei ihr ein Reagenzglas mit lebenden Bakterien zerbrochen. Das habe sie dem medizinischen Personal selbst geschildert. Unabhängig überprüfen lässt sich keine der beiden Versionen.
Ermittler haben laut Berichten ein Strafverfahren wegen des Verdachts auf Verstöße gegen Sicherheitsvorschriften mit Todesfolge eingeleitet. Gegen wen es sich richtet, ist nicht bekannt.
Behörden in Russland hüllen sich in Schweigen
Gouverneur Igor Kobsew berief eine Sondersitzung der regionalen Kommission für Sanitär- und Seuchenschutz ein – wegen Informationen über einen "Verdachtsfall einer besonders gefährlichen Infektion bei einer Bewohnerin der Region". Das berichtet das Exil-Portal "Ljudi Baikala". Welche Infektion gemeint ist, steht nicht im Artikel. Zu der Sitzung reiste allerdings dem Bericht zufolge auch Anna Popowa an, die Leiterin der russischen Gesundheitsaufsichtsbehörde Rospotrebnadsor.
Kobsew rief die Bevölkerung zur Ruhe auf. "Alle identifizierten Kontaktpersonen stehen unter medizinischer Beobachtung. Bis heute zeigen die Kontakte keine Krankheitszeichen, ihre Laborergebnisse sind negativ", schrieb er am Freitag auf Telegram. Den berichteten Tod der Frau erwähnte er nicht. Geplante öffentliche Veranstaltungen in Irkutsk wurden abgesagt.
Fast 200 Kontaktpersonen in Russland
Die Zahl der Kontaktpersonen wird unterschiedlich angegeben. Die Rede ist von mindestens 197 Menschen, der staatliche russische Fernsehsender Ren TV nennt knapp 200, davon 189 unter stationärer Beobachtung. Andere Berichte sprechen von mehr als 100 Personen auf Krankenstationen.
Bestätigt hat den Pesttod zunächst allein Alexej Zydenow, Chef der benachbarten Republik Burjatien. Die Frau habe seine Republik nicht besucht, Pestausbrüche gebe es dort nicht, "auch nicht in den an die Mongolei grenzenden Gebieten". Später änderte Zydenow seinen Beitrag: Die Frau sei "möglicherweise" an der Pest gestorben. Um welche Form der Erkrankung es sich handelt, ließ er offen.
Die Pest ist nicht ausgerottet, aber selten – und mit Antibiotika behandelbar, wenn sie früh erkannt wird. Offiziellen Zahlen zufolge wurden zwischen 2010 und 2015 weltweit 3.248 Fälle und 584 Todesfälle erfasst. Der letzte bekannte Fall in Russland datiert auf 2016, damals erkrankte ein zehnjähriges Kind in der Republik Altai.
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Ein Impfstoff existiert. Der russische Impfkalender sieht Impfungen für Menschen in natürlichen Pestgebieten vor, wenn die Gefahr für Tiere und Menschen steigt – und für Beschäftigte, die mit lebenden Kulturen des Erregers arbeiten. Ob die Verstorbene geimpft war, ist nicht bekannt.
meduza.io: "Hospital in Russia’s Irkutsk region quarantined amid reports that a patient died of pneumonic plague" (englisch)
themoscowtimes.com: "Nearly 200 People Under Observation After Irkutsk Lab Worker Dies From Plague"
Behörden schweigen Pest wohl in Russland ausgebrochen: Klinik abgeriegelt
In der russischen Region Irkutsk steht eine Klinik unter Quarantäne. Eine junge Frau soll an Lungenpest gestorben sein – offiziell bestätigt ist der Fall aber nicht.
Die stationäre Abteilung eines Kreiskrankenhauses in Schelechow, einer Stadt nahe der sibirischen Regionalhauptstadt Irkutsk, ist abgeriegelt. Auslöser ist nach Behördenangaben der Verdacht auf eine "besonders gefährliche Infektion" bei einer Patientin. Verschiedenen Medienberichten zufolge soll die Frau an der Lungenpest gestorben sein, einer Form der Pest, die die Lunge befällt und über Tröpfchen von Mensch zu Mensch übertragen werden kann.
Den Berichten zufolge wurde die Frau am Dienstag mit schweren Symptomen einer Lungenentzündung aufgenommen, künstlich beatmet und starb am Donnerstag. Eine offizielle Bestätigung des Todesfalls durch die Gesundheitsbehörden liegt bis heute nicht vor.
Planspiel für den Ernstfall: So plant das Baltikum die Verteidigung gegen Russland
In der Ostsee: Russland setzte Schiff von deutscher Reederei fest
Erste Hinweise auf die Schließung tauchten am Abend des 1. Oktober in sozialen Netzwerken auf. Am folgenden Tag bestätigte Kreisbürgermeister Maxim Modin die Quarantäne. Die Ambulanz des Hauses bleibt geöffnet.
Darstellungen aus Russland widersprechen sich
Wie sich die Frau angesteckt haben soll, ist unklar. Eine Darstellung besagt, sie sei nach der Rückkehr aus Thailand erkrankt. Die von mehreren Redaktionen gestützte und dominierende Version lautet anders: Darja S. soll Laborantin am Irkutsker Antipest-Institut gewesen sein, einer Forschungseinrichtung, in der mit lebenden Pest-Erregern gearbeitet wird.
Beim Vorbereiten von Proben sei ihr ein Reagenzglas mit lebenden Bakterien zerbrochen. Das habe sie dem medizinischen Personal selbst geschildert. Unabhängig überprüfen lässt sich keine der beiden Versionen.
Ermittler haben laut Berichten ein Strafverfahren wegen des Verdachts auf Verstöße gegen Sicherheitsvorschriften mit Todesfolge eingeleitet. Gegen wen es sich richtet, ist nicht bekannt.
Behörden in Russland hüllen sich in Schweigen
Gouverneur Igor Kobsew berief eine Sondersitzung der regionalen Kommission für Sanitär- und Seuchenschutz ein – wegen Informationen über einen "Verdachtsfall einer besonders gefährlichen Infektion bei einer Bewohnerin der Region". Das berichtet das Exil-Portal "Ljudi Baikala". Welche Infektion gemeint ist, steht nicht im Artikel. Zu der Sitzung reiste allerdings dem Bericht zufolge auch Anna Popowa an, die Leiterin der russischen Gesundheitsaufsichtsbehörde Rospotrebnadsor.
Kobsew rief die Bevölkerung zur Ruhe auf. "Alle identifizierten Kontaktpersonen stehen unter medizinischer Beobachtung. Bis heute zeigen die Kontakte keine Krankheitszeichen, ihre Laborergebnisse sind negativ", schrieb er am Freitag auf Telegram. Den berichteten Tod der Frau erwähnte er nicht. Geplante öffentliche Veranstaltungen in Irkutsk wurden abgesagt.
Fast 200 Kontaktpersonen in Russland
Die Zahl der Kontaktpersonen wird unterschiedlich angegeben. Die Rede ist von mindestens 197 Menschen, der staatliche russische Fernsehsender Ren TV nennt knapp 200, davon 189 unter stationärer Beobachtung. Andere Berichte sprechen von mehr als 100 Personen auf Krankenstationen.
Bestätigt hat den Pesttod zunächst allein Alexej Zydenow, Chef der benachbarten Republik Burjatien. Die Frau habe seine Republik nicht besucht, Pestausbrüche gebe es dort nicht, "auch nicht in den an die Mongolei grenzenden Gebieten". Später änderte Zydenow seinen Beitrag: Die Frau sei "möglicherweise" an der Pest gestorben. Um welche Form der Erkrankung es sich handelt, ließ er offen.
Die Pest ist nicht ausgerottet, aber selten – und mit Antibiotika behandelbar, wenn sie früh erkannt wird. Offiziellen Zahlen zufolge wurden zwischen 2010 und 2015 weltweit 3.248 Fälle und 584 Todesfälle erfasst. Der letzte bekannte Fall in Russland datiert auf 2016, damals erkrankte ein zehnjähriges Kind in der Republik Altai.
"Es ist das letzte Mal, dass ich hier bin": Touristenmassen belagern See – Wanderer entsetzt
Gescheiterte Hinrichtung von Christa Pike: Personal zieht Konsequenzen
Unwetter auf griechischer Urlaubsinsel: Urlauber auf Kreta evakuiert
Ein Impfstoff existiert. Der russische Impfkalender sieht Impfungen für Menschen in natürlichen Pestgebieten vor, wenn die Gefahr für Tiere und Menschen steigt – und für Beschäftigte, die mit lebenden Kulturen des Erregers arbeiten. Ob die Verstorbene geimpft war, ist nicht bekannt.
meduza.io: "Hospital in Russia’s Irkutsk region quarantined amid reports that a patient died of pneumonic plague" (englisch)
themoscowtimes.com: "Nearly 200 People Under Observation After Irkutsk Lab Worker Dies From Plague"
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Quelle: t-online Panorama · Originalartikel












