Viele Menschen ekeln sich vor öffentlichen WCs – und versuchen, Keimen aus dem Weg zu gehen. Doch so mancher vermeintliche Schutz übersteht die wissenschaftliche Überprüfung nicht.
Keime in der öffentlichen Toilette Ist es wirklich sinnvoll, die Klobrille mit Papier auszulegen?
Viele Menschen ekeln sich vor öffentlichen WCs – und versuchen, Keimen aus dem Weg zu gehen. Doch so mancher vermeintliche Schutz übersteht die wissenschaftliche Überprüfung nicht.
Öffentliche Toiletten sind für die meisten Menschen keine Orte zum Wohlfühlen. Denn die Sauberkeit lässt oft zu wünschen übrig. So manch einer versucht, sich vor potenziellen Keimen zu schützen, indem er die WC-Brille mit Toilettenpapier auslegt.
Doch Experten sind sich einig, dass das keinen echten Vorteil bringt. Denn auch das Toilettenpapier ist oft schon kontaminiert. Aber wie groß ist überhaupt die Gefahr, sich auf öffentlichen Toiletten mit Keimen zu infizieren?
Toilettenpapier schützt kaum vor Keimen
Wer die Klobrille sorgfältig mit Toilettenpapier bedeckt, fühlt sich möglicherweise wohler. Einen zuverlässigen Schutz vor Krankheitserregern bietet die Papierschicht allerdings nicht. Denn das Papier besitzt Poren und bildet deshalb keine sichere Barriere zwischen Haut und Keimen auf der WC-Brille.
Ein weiterer Grund: Wenn beim Spülen der Deckel geöffnet bleibt, können Fäkalkeime durch die Luft wirbeln und sich dann auf dem Papier absetzen. Untersuchungen haben gezeigt, dass bei jedem Spülgang Zehntausende Tröpfchen (sogenannte Aerosole) aus der Toilette in die Luft aufsteigen – und das bis zu 200 Zentimeter über der Schüssel.
Da in öffentlichen Toiletten der Deckel zumeist offen bleibt oder gar nicht existiert, können sich also bei jedem Spülgang erneut Krankheitserreger ausbreiten und auf dem Toilettenpapier niederlassen.
In Toilettenräumen sind oft Durchfallerreger wie Escherichia Coli-Bakterien, Enterokokken und Clostridium difficile oder auch Noro- und Rotaviren zu finden.
Ständig bis selten: Wie oft am Tag zur Toilette ist noch normal?
Nicht immer harmlos: Druck auf dem Darm, aber kein Stuhlgang – mögliche Gründe
Sollte man sich anders vor den Erregern auf dem Sitz schützen?
Die gute Nachricht: Eine dichte Barriere zwischen Toilettensitz und Haut brauchen gesunde Menschen in der Regel nicht. Jill Roberts, Professorin für öffentliche Gesundheit und Mikrobiologie an der University of South Florida, schätzt das Risiko einer Ansteckung allein durch das Sitzen auf einer Toilettenbrille im Sender BBC als äußerst gering ein. Wunden an der Haut der Oberschenkel oder des Gesäßes erhöhen das Risiko allerdings etwas, so die Expertin.
Die Haut schützt beispielsweise vor vielen sexuell übertragbaren Erkrankungen. Die Erreger von Krankheiten wie Gonorrhö oder Chlamydien überleben außerhalb des menschlichen Körpers meist nicht lange. Für eine Ansteckung benötigen sie in der Regel direkten Kontakt der Genitalien beziehungsweise den Austausch von Körperflüssigkeiten.
Auch eine Harnwegsinfektion fängt man sich normalerweise nicht durch das Sitzen auf einer öffentlichen Toilette ein. Dafür müssten Darmkeime von der WC-Brille in die Harnwege gelangen. Deutlich wahrscheinlicher ist es, dass eigene Darmbakterien beim Abwischen in die Nähe der Harnwege gelangen.
An diesen Stellen lauern mehr Keime
Sehr viele betroffen: Probleme mit Hämorrhoiden – Symptome und was dagegen hilft
Harmlos oder krankhaft? Urin stinkt – darum riecht Ihr Harn manchmal komisch
Keimfrei ist eine öffentliche Toilette trotzdem nicht. Die WC-Brille stellt dabei allerdings nicht unbedingt das größte Problem dar. Untersuchungen zeigen, dass Toilettensitze häufig weniger Mikroorganismen tragen als Türklinken, Wasserhähne oder Spültasten.
Der Grund liegt im wahrsten Sinne des Wortes auf der Hand: Viele Menschen berühren diese Stellen mit ihren Händen – zum Teil noch vor dem Händewaschen. So können kleinste Stuhlreste an Spültasten, Armaturen oder Türklinken gelangen.
Berührt man selbst oder die nächste Person eine solche Fläche, können die Erreger an ihren Händen haften bleiben. Fasst man sich anschließend an Mund oder Gesicht, können die Keime in den Körper gelangen. Experten sprechen dabei von einer Schmierinfektion.
Wie Sie sich stattdessen vor Krankheitserregern schützen
Statt die Klobrille mit mehreren Lagen Papier auszulegen, lohnt es sich daher vor allem, auf die richtige Handhygiene zu achten. Nach dem Toilettengang sollten Sie die Hände gründlich mit Wasser und Seife waschen. Zudem können Sie Spültasten, Wasserhähne oder Türklinken beispielsweise mit einem Papiertuch, dem Ellenbogen oder dem Handrücken bedienen.
Tipps von einer Hautärztin: Was die meisten bei Klopapier falsch machen
Das können Sie tun: Warum wird der Po manchmal nicht sauber?
Danach schlimmer krank: Diese fünf Fehler sollten Sie bei Antibiotika vermeiden
Wer sich dennoch vor den Toilettensitzen ekelt, sollte den Toilettensitz besser mit einer Einweg-Auflage bedecken oder mit Desinfektionstüchern abwischen.
infektionsschutz.de: "Toilettenhygiene". (Stand: Juni 2025)
bbc.com: "Can you catch diseases from toilet seats?". (Stand: August 2025; englisch)
theconversation.com: "Is it OK to sit on public toilet seats?". (Stand: September 2025; englisch)
Die Informationen ersetzen keine ärztliche Beratung und dürfen daher nicht zur Selbsttherapie verwendet werden.
Keime in der öffentlichen Toilette Ist es wirklich sinnvoll, die Klobrille mit Papier auszulegen?
Viele Menschen ekeln sich vor öffentlichen WCs – und versuchen, Keimen aus dem Weg zu gehen. Doch so mancher vermeintliche Schutz übersteht die wissenschaftliche Überprüfung nicht.
Öffentliche Toiletten sind für die meisten Menschen keine Orte zum Wohlfühlen. Denn die Sauberkeit lässt oft zu wünschen übrig. So manch einer versucht, sich vor potenziellen Keimen zu schützen, indem er die WC-Brille mit Toilettenpapier auslegt.
Doch Experten sind sich einig, dass das keinen echten Vorteil bringt. Denn auch das Toilettenpapier ist oft schon kontaminiert. Aber wie groß ist überhaupt die Gefahr, sich auf öffentlichen Toiletten mit Keimen zu infizieren?
Toilettenpapier schützt kaum vor Keimen
Wer die Klobrille sorgfältig mit Toilettenpapier bedeckt, fühlt sich möglicherweise wohler. Einen zuverlässigen Schutz vor Krankheitserregern bietet die Papierschicht allerdings nicht. Denn das Papier besitzt Poren und bildet deshalb keine sichere Barriere zwischen Haut und Keimen auf der WC-Brille.
Ein weiterer Grund: Wenn beim Spülen der Deckel geöffnet bleibt, können Fäkalkeime durch die Luft wirbeln und sich dann auf dem Papier absetzen. Untersuchungen haben gezeigt, dass bei jedem Spülgang Zehntausende Tröpfchen (sogenannte Aerosole) aus der Toilette in die Luft aufsteigen – und das bis zu 200 Zentimeter über der Schüssel.
Da in öffentlichen Toiletten der Deckel zumeist offen bleibt oder gar nicht existiert, können sich also bei jedem Spülgang erneut Krankheitserreger ausbreiten und auf dem Toilettenpapier niederlassen.
In Toilettenräumen sind oft Durchfallerreger wie Escherichia Coli-Bakterien, Enterokokken und Clostridium difficile oder auch Noro- und Rotaviren zu finden.
Ständig bis selten: Wie oft am Tag zur Toilette ist noch normal?
Nicht immer harmlos: Druck auf dem Darm, aber kein Stuhlgang – mögliche Gründe
Sollte man sich anders vor den Erregern auf dem Sitz schützen?
Die gute Nachricht: Eine dichte Barriere zwischen Toilettensitz und Haut brauchen gesunde Menschen in der Regel nicht. Jill Roberts, Professorin für öffentliche Gesundheit und Mikrobiologie an der University of South Florida, schätzt das Risiko einer Ansteckung allein durch das Sitzen auf einer Toilettenbrille im Sender BBC als äußerst gering ein. Wunden an der Haut der Oberschenkel oder des Gesäßes erhöhen das Risiko allerdings etwas, so die Expertin.
Die Haut schützt beispielsweise vor vielen sexuell übertragbaren Erkrankungen. Die Erreger von Krankheiten wie Gonorrhö oder Chlamydien überleben außerhalb des menschlichen Körpers meist nicht lange. Für eine Ansteckung benötigen sie in der Regel direkten Kontakt der Genitalien beziehungsweise den Austausch von Körperflüssigkeiten.
Auch eine Harnwegsinfektion fängt man sich normalerweise nicht durch das Sitzen auf einer öffentlichen Toilette ein. Dafür müssten Darmkeime von der WC-Brille in die Harnwege gelangen. Deutlich wahrscheinlicher ist es, dass eigene Darmbakterien beim Abwischen in die Nähe der Harnwege gelangen.
An diesen Stellen lauern mehr Keime
Sehr viele betroffen: Probleme mit Hämorrhoiden – Symptome und was dagegen hilft
Harmlos oder krankhaft? Urin stinkt – darum riecht Ihr Harn manchmal komisch
Keimfrei ist eine öffentliche Toilette trotzdem nicht. Die WC-Brille stellt dabei allerdings nicht unbedingt das größte Problem dar. Untersuchungen zeigen, dass Toilettensitze häufig weniger Mikroorganismen tragen als Türklinken, Wasserhähne oder Spültasten.
Der Grund liegt im wahrsten Sinne des Wortes auf der Hand: Viele Menschen berühren diese Stellen mit ihren Händen – zum Teil noch vor dem Händewaschen. So können kleinste Stuhlreste an Spültasten, Armaturen oder Türklinken gelangen.
Berührt man selbst oder die nächste Person eine solche Fläche, können die Erreger an ihren Händen haften bleiben. Fasst man sich anschließend an Mund oder Gesicht, können die Keime in den Körper gelangen. Experten sprechen dabei von einer Schmierinfektion.
Wie Sie sich stattdessen vor Krankheitserregern schützen
Statt die Klobrille mit mehreren Lagen Papier auszulegen, lohnt es sich daher vor allem, auf die richtige Handhygiene zu achten. Nach dem Toilettengang sollten Sie die Hände gründlich mit Wasser und Seife waschen. Zudem können Sie Spültasten, Wasserhähne oder Türklinken beispielsweise mit einem Papiertuch, dem Ellenbogen oder dem Handrücken bedienen.
Tipps von einer Hautärztin: Was die meisten bei Klopapier falsch machen
Das können Sie tun: Warum wird der Po manchmal nicht sauber?
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Wer sich dennoch vor den Toilettensitzen ekelt, sollte den Toilettensitz besser mit einer Einweg-Auflage bedecken oder mit Desinfektionstüchern abwischen.
infektionsschutz.de: "Toilettenhygiene". (Stand: Juni 2025)
bbc.com: "Can you catch diseases from toilet seats?". (Stand: August 2025; englisch)
theconversation.com: "Is it OK to sit on public toilet seats?". (Stand: September 2025; englisch)
Die Informationen ersetzen keine ärztliche Beratung und dürfen daher nicht zur Selbsttherapie verwendet werden.
Bildrechte: Melanie Rannow · Lynn Zimmermann
Quelle: t-online Gesundheit · Originalartikel












