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Kuriose Meldungen

Hinrichtung in USA abgebrochen: Christa Pike ist kein Einzelfall

Die Hinrichtung von Christa Pike ist trotz zweier Versuche gescheitert. In den USA ist das längst kein Einzelfall.

Hinrichtung von Christa Pike Todesstrafe – hinter den Kulissen tobt der Kampf ums Gift

Die Hinrichtung von Christa Pike ist trotz zweier Versuche gescheitert. In den USA ist das längst kein Einzelfall.

David Schafbuch berichtet aus New York

Zwei Injektionen hatten bei Christa Pike nicht ausgereicht. "Mein Arm fühlt sich an, als würde er gleich aufplatzen. Eine Stelle pocht wirklich stark", soll die verurteilte Mörderin am Mittwochabend laut einem Augenzeugen gesagt haben. Die wegen Mordes zum Tode verurteilte Pike sollte in Nashville im US-Bundesstaat Tennessee durch die Giftspritze sterben. Doch nachdem die Strafe auch nach fast eineinhalb Stunden nicht vollstreckt werden konnte, wurde Pike wieder aus der Hinrichtungskammer gebracht.

Nach der gescheiterten Hinrichtung wird die 50-Jährige in einem Krankenhaus behandelt – und das Entsetzen ist in den USA groß. Robin Maher, geschäftsführende Direktorin der gemeinnützigen Organisation Death Penalty Information Center (DPI), sprach von dem "schlimmsten Ereignis", das die Organisation je verfolgt habe. Für das, was in Tennessee geschehen sei, gebe es bislang "keinen Präzedenzfall".

Christa Pike: "Das Schlimmste, das wir je gesehen haben"

Folter und Teufelssymbole: Diesen Mord gestand Christa Pike

Die Giftspritze ist heute die gängigste Variante, mit der die Todesstrafe in den USA vollstreckt wird. Eingeführt wurde sie einst, weil sie als "humane" Variante für die Tötung von Schwerverbrechern galt. Doch nicht nur der Fall Christa Pike zeigt, dass sie häufig scheitert – und die Verurteilten noch zusätzlich quält.

Generell ist die Todesstrafe in den USA zum größten Teil Sache der einzelnen Bundesstaaten. Aktuell wird sie in 27 Staaten vollstreckt. In allen ist die Giftspritze die am häufigsten genutzte Methode. Andere Varianten wie der elektrische Stuhl, die Gaskammer oder der Tod durch eine Schusswaffe kommen in einzelnen Bundesstaaten allerdings bis heute zur Anwendung.

Die Giftspritze wird in den USA seit 1982 eingesetzt. Der damalige kalifornische Gouverneur Ronald Reagan hatte sich bereits in den Siebzigern für die Methode ausgesprochen. Reagan hatte dabei den Vergleich zum Einschläfern bei Tieren gezogen und die Frage aufgeworfen, ob die Giftspritze nicht eine "humanere" Variante sei, die Todesstrafe zu vollstrecken.

Tatsächlich zeigt sich in der Praxis, dass die Giftspritze die Methode mit der höchsten Fehlerquote bei der Anwendung der Todesstrafe ist. Der US-Politikwissenschaftler Austin Sarat hatte 2014 Hinrichtungen in den USA zwischen 1890 und 2010 untersucht. Dabei wies die Giftspritze im Vergleich zu anderen Methoden mit mehr als sieben Prozent die höchste Fehlerquote auf. In Tennessee, wo Pike hingerichtet werden sollte, verlief von drei Hinrichtungsversuchen in diesem Jahr in diesem Jahr lediglich eine ohne einen vergleichbaren Zwischenfall.

Für das Scheitern gibt es mehrere Gründe: Die Gefängnisanstalten haben unter anderem häufig Probleme, medizinisches Personal für die Hinrichtungen zu finden. Denn ausgebildete Ärzte oder Krankenpfleger verweigern häufig die Durchführung der Todesstrafe. Das hat zur Folge, dass viele Todesstrafen von Menschen vollstreckt werden, die wenig oder gar keine medizinische Erfahrung haben.

Ein ähnlicher Fall wie der von Pike hatte sich in Tennessee erst im Mai ereignet: Damals wurde eine Hinrichtung abgebrochen, nachdem die Mitarbeiter keine Vene finden konnten, um die tödlichen Medikamente zu verabreichen. Das "National Public Radio" berichtete unter Verweis auf Gerichtsunterlagen, dass bei der Hinrichtung ein Arzt anwesend war. Dieser hatte aber seit 13 Jahren keinen Katheter mehr gelegt – ein Schritt, der für die Giftinjektion notwendig ist.

Der zweite Grund für Probleme bei dem Verfahren liegt in den verabreichten Mitteln. Denn zahlreiche Pharmaunternehmen wollen nicht, dass ihre Mittel bei der Anwendung der Giftspritze benutzt werden. Joel Zivot, Dozent für Anästhesiologie und Chirurgie an der Emory University in Atlanta, sagte 2023 der BBC, dass kein seriöses Pharmaunternehmen mehr entsprechende Mittel herstelle. "Wenn die Strafvollzugsbehörde ein Medikament zum Töten einsetzt, ist das ein Missbrauch dieses Produkts", so der Experte.

Tatsächlich haben sich zahlreiche Pharmaunternehmen selbst dazu verpflichtet, dass ihre Produkte nicht bei Todesstrafen eingesetzt werden. Das "Lethal Injection Information Center" listet mehr als 60 Unternehmen auf. Zu ihnen gehören Konzerne wie Pfizer, Roche, Johnson & Johnson oder Fresenius.

Dadurch haben die zuständigen Behörden mitunter Probleme, die erforderlichen Medikamente überhaupt zu beschaffen. 2010 beispielsweise wurden im Bundesstaat Arizona entsprechende Mittel bei einem Apotheker in London bestellt. Dabei handelte es sich nicht um einen großen Anbieter. An der Adresse des Unternehmens befanden sich auch die Räumlichkeiten einer Fahrschule. Noch im selben Jahr verbot Großbritannien die Ausfuhr von Medikamenten, die zur Todesstrafe genutzt werden können.

In der Praxis bedeutet das auch, dass die Strafvollzugsbehörden andere Medikamente für die Giftspritze kombinieren, deren Wirkung nicht ausreichend erprobt wurde. Im Jahr 2014 wurde so der Mörder Joseph Wood in Arizona mit einem zuvor kaum getesteten Gemisch hingerichtet. Der Vorgang dauerte fast zwei Stunden. Wood wurden insgesamt 15 Injektionen verabreicht, bis sein Tod festgestellt wurde.

Entsprechende Vorfälle sind in der Vergangenheit auch Personen nicht entgangen, die selbst zum Tode verurteilt wurden. 2018 hatten in Tennessee zwei verurteilte Mörder anstelle der Giftspritze um den Tod durch den elektrischen Stuhl gebeten. Beide Häftlinge hatten vor Gericht argumentiert, dass sie durch den Medikamentencocktail einen qualvolleren Tod fürchteten.

Laute Schreie: Frau wird offenbar nach Wiesn-Besuch vergewaltigt

Gescheiterte Hinrichtung: Anwälte: Christa Pike befindet sich in kritischem Zustand

Richter sieht Mord als erwiesen an: Kind stirbt beim Zahnarzt – hartes Urteil

Warum genau die Hinrichtung bei Christa Pike scheiterte, ist zum jetzigen Zeitpunkt noch unklar. In ähnlichen Fällen, bei denen dasselbe Mittel verabreicht wurde, hatte das Gefängnispersonal beim Legen des Zugangs keine Vene getroffen. Am Donnerstagnachmittag (Ortszeit) teilten Pikes Anwälte mit, dass sie sich weiter in medizinischer Behandlung befinde. Ihr Zustand sei kritisch.

Mit Material der Nachrichtenagenturen dpa und AFP

apnews.com: "The drug used in Tennessee’s failed execution has come under past scrutiny" (englisch)

bbc.com: "Death row: The secret hunt for lethal drugs used in US executions" (englisch)

deathpenaltyinfo.org: "Botched Executions" (englisch)

deathpenaltyinfo.org: "Methods of Execution" (englisch)

deathpenaltyinfo.org: "NPR Investigation of Lethal-Injection Autopsies Finds Executed Prisoners Experience Sensations of Suffocation and Drowning" (englisch)

deathpenaltyinfo.org: "State-by-State Execution Protocols" (englisch)

lethalinjectioninfo.org: "Industry statements" (englisch)

Hinrichtung von Christa Pike Todesstrafe – hinter den Kulissen tobt der Kampf ums Gift

Die Hinrichtung von Christa Pike ist trotz zweier Versuche gescheitert. In den USA ist das längst kein Einzelfall.

David Schafbuch berichtet aus New York

Zwei Injektionen hatten bei Christa Pike nicht ausgereicht. "Mein Arm fühlt sich an, als würde er gleich aufplatzen. Eine Stelle pocht wirklich stark", soll die verurteilte Mörderin am Mittwochabend laut einem Augenzeugen gesagt haben. Die wegen Mordes zum Tode verurteilte Pike sollte in Nashville im US-Bundesstaat Tennessee durch die Giftspritze sterben. Doch nachdem die Strafe auch nach fast eineinhalb Stunden nicht vollstreckt werden konnte, wurde Pike wieder aus der Hinrichtungskammer gebracht.

Nach der gescheiterten Hinrichtung wird die 50-Jährige in einem Krankenhaus behandelt – und das Entsetzen ist in den USA groß. Robin Maher, geschäftsführende Direktorin der gemeinnützigen Organisation Death Penalty Information Center (DPI), sprach von dem "schlimmsten Ereignis", das die Organisation je verfolgt habe. Für das, was in Tennessee geschehen sei, gebe es bislang "keinen Präzedenzfall".

Christa Pike: "Das Schlimmste, das wir je gesehen haben"

Folter und Teufelssymbole: Diesen Mord gestand Christa Pike

Die Giftspritze ist heute die gängigste Variante, mit der die Todesstrafe in den USA vollstreckt wird. Eingeführt wurde sie einst, weil sie als "humane" Variante für die Tötung von Schwerverbrechern galt. Doch nicht nur der Fall Christa Pike zeigt, dass sie häufig scheitert – und die Verurteilten noch zusätzlich quält.

Generell ist die Todesstrafe in den USA zum größten Teil Sache der einzelnen Bundesstaaten. Aktuell wird sie in 27 Staaten vollstreckt. In allen ist die Giftspritze die am häufigsten genutzte Methode. Andere Varianten wie der elektrische Stuhl, die Gaskammer oder der Tod durch eine Schusswaffe kommen in einzelnen Bundesstaaten allerdings bis heute zur Anwendung.

Die Giftspritze wird in den USA seit 1982 eingesetzt. Der damalige kalifornische Gouverneur Ronald Reagan hatte sich bereits in den Siebzigern für die Methode ausgesprochen. Reagan hatte dabei den Vergleich zum Einschläfern bei Tieren gezogen und die Frage aufgeworfen, ob die Giftspritze nicht eine "humanere" Variante sei, die Todesstrafe zu vollstrecken.

Tatsächlich zeigt sich in der Praxis, dass die Giftspritze die Methode mit der höchsten Fehlerquote bei der Anwendung der Todesstrafe ist. Der US-Politikwissenschaftler Austin Sarat hatte 2014 Hinrichtungen in den USA zwischen 1890 und 2010 untersucht. Dabei wies die Giftspritze im Vergleich zu anderen Methoden mit mehr als sieben Prozent die höchste Fehlerquote auf. In Tennessee, wo Pike hingerichtet werden sollte, verlief von drei Hinrichtungsversuchen in diesem Jahr in diesem Jahr lediglich eine ohne einen vergleichbaren Zwischenfall.

Für das Scheitern gibt es mehrere Gründe: Die Gefängnisanstalten haben unter anderem häufig Probleme, medizinisches Personal für die Hinrichtungen zu finden. Denn ausgebildete Ärzte oder Krankenpfleger verweigern häufig die Durchführung der Todesstrafe. Das hat zur Folge, dass viele Todesstrafen von Menschen vollstreckt werden, die wenig oder gar keine medizinische Erfahrung haben.

Ein ähnlicher Fall wie der von Pike hatte sich in Tennessee erst im Mai ereignet: Damals wurde eine Hinrichtung abgebrochen, nachdem die Mitarbeiter keine Vene finden konnten, um die tödlichen Medikamente zu verabreichen. Das "National Public Radio" berichtete unter Verweis auf Gerichtsunterlagen, dass bei der Hinrichtung ein Arzt anwesend war. Dieser hatte aber seit 13 Jahren keinen Katheter mehr gelegt – ein Schritt, der für die Giftinjektion notwendig ist.

Der zweite Grund für Probleme bei dem Verfahren liegt in den verabreichten Mitteln. Denn zahlreiche Pharmaunternehmen wollen nicht, dass ihre Mittel bei der Anwendung der Giftspritze benutzt werden. Joel Zivot, Dozent für Anästhesiologie und Chirurgie an der Emory University in Atlanta, sagte 2023 der BBC, dass kein seriöses Pharmaunternehmen mehr entsprechende Mittel herstelle. "Wenn die Strafvollzugsbehörde ein Medikament zum Töten einsetzt, ist das ein Missbrauch dieses Produkts", so der Experte.

Tatsächlich haben sich zahlreiche Pharmaunternehmen selbst dazu verpflichtet, dass ihre Produkte nicht bei Todesstrafen eingesetzt werden. Das "Lethal Injection Information Center" listet mehr als 60 Unternehmen auf. Zu ihnen gehören Konzerne wie Pfizer, Roche, Johnson & Johnson oder Fresenius.

Dadurch haben die zuständigen Behörden mitunter Probleme, die erforderlichen Medikamente überhaupt zu beschaffen. 2010 beispielsweise wurden im Bundesstaat Arizona entsprechende Mittel bei einem Apotheker in London bestellt. Dabei handelte es sich nicht um einen großen Anbieter. An der Adresse des Unternehmens befanden sich auch die Räumlichkeiten einer Fahrschule. Noch im selben Jahr verbot Großbritannien die Ausfuhr von Medikamenten, die zur Todesstrafe genutzt werden können.

In der Praxis bedeutet das auch, dass die Strafvollzugsbehörden andere Medikamente für die Giftspritze kombinieren, deren Wirkung nicht ausreichend erprobt wurde. Im Jahr 2014 wurde so der Mörder Joseph Wood in Arizona mit einem zuvor kaum getesteten Gemisch hingerichtet. Der Vorgang dauerte fast zwei Stunden. Wood wurden insgesamt 15 Injektionen verabreicht, bis sein Tod festgestellt wurde.

Entsprechende Vorfälle sind in der Vergangenheit auch Personen nicht entgangen, die selbst zum Tode verurteilt wurden. 2018 hatten in Tennessee zwei verurteilte Mörder anstelle der Giftspritze um den Tod durch den elektrischen Stuhl gebeten. Beide Häftlinge hatten vor Gericht argumentiert, dass sie durch den Medikamentencocktail einen qualvolleren Tod fürchteten.

Laute Schreie: Frau wird offenbar nach Wiesn-Besuch vergewaltigt

Gescheiterte Hinrichtung: Anwälte: Christa Pike befindet sich in kritischem Zustand

Richter sieht Mord als erwiesen an: Kind stirbt beim Zahnarzt – hartes Urteil

Warum genau die Hinrichtung bei Christa Pike scheiterte, ist zum jetzigen Zeitpunkt noch unklar. In ähnlichen Fällen, bei denen dasselbe Mittel verabreicht wurde, hatte das Gefängnispersonal beim Legen des Zugangs keine Vene getroffen. Am Donnerstagnachmittag (Ortszeit) teilten Pikes Anwälte mit, dass sie sich weiter in medizinischer Behandlung befinde. Ihr Zustand sei kritisch.

Mit Material der Nachrichtenagenturen dpa und AFP

apnews.com: "The drug used in Tennessee’s failed execution has come under past scrutiny" (englisch)

bbc.com: "Death row: The secret hunt for lethal drugs used in US executions" (englisch)

deathpenaltyinfo.org: "Botched Executions" (englisch)

deathpenaltyinfo.org: "Methods of Execution" (englisch)

deathpenaltyinfo.org: "NPR Investigation of Lethal-Injection Autopsies Finds Executed Prisoners Experience Sensations of Suffocation and Drowning" (englisch)

deathpenaltyinfo.org: "State-by-State Execution Protocols" (englisch)

lethalinjectioninfo.org: "Industry statements" (englisch)

Bildrechte: David Schafbuch

Quelle: t-online Panorama · Originalartikel

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