Handy-Betrug in Deutschland: Groß-Razzia gegen Betrügerbande

Sie sollen massenweise gefälschte Samsung-Handys verkauft haben. Jetzt starten die Ermittler einen präzisen Schlag gegen die Betrügerbande.

Großrazzia gegen Betrügerbande Samsung-Käufer ahnten nichts: Millionenbetrug fliegt auf

Sie sollen massenweise gefälschte Samsung-Handys verkauft haben. Jetzt starten die Ermittler einen präzisen Schlag gegen die Betrügerbande.

Eine Betrügerbande soll Medienberichten zufolge rund eine Million gefälschte Handys verkauft und Steuern in großem Stil hinterzogen haben. Laut WDR, NDR und "Süddeutscher Zeitung" (SZ) läuft seit dem frühen Dienstagmorgen eine Großrazzia. 160 Objekte in 19 Ländern würden durchsucht – der Schwerpunkt sei Deutschland.

Dem "SZ"-Bericht zufolge wurden mehrere mutmaßliche Hintermänner der Bande bereits am Wochenende festgenommen. Laut WDR erfolgte der Zugriff auch durch Spezialkräfte des Zolls in Düsseldorf. Der Vorwurf laute bandenmäßige Steuerhinterziehung und Gründung einer kriminellen Vereinigung.

Mafiaboss in Villa festgenommen: Razzia bei Luxusauto-Bande

Offenbar etliche Handys in Krefelder Lagerhalle entdeckt

Bei dem Hauptbeschuldigten soll es sich um einen 43-jährigen Ukrainer handeln. Er soll gemeinsam mit Komplizen ein ausgeklügeltes Betrugssystem aufgebaut haben. Konkret soll er aus alten Bauteilen zusammengeschraubte Samsung-Handys als Neuware verkauft haben. In einer Lagerhalle in Krefeld soll die Gruppe kistenweise Geräte deponiert haben.

Durch die illegalen Geschäfte sollen die Täter laut "SZ" etwa eine Million Smartphones an Kunden in Europa verkauft und damit mindestens 300 Millionen Euro Umsatz gemacht haben. Der Steuerschaden allein in Deutschland soll bei mehr als 60 Millionen Euro liegen.

Wie die Handy-Masche abgelaufen sein soll

Die Europäische Staatsanwaltschaft (EUStA) bestätigte auf Anfrage laufende Maßnahmen in einem Ermittlungsverfahren wegen Umsatzsteuerbetrugs. Die Geschäftspraxis, die bis zuletzt weiterlief, soll den Ermittlern zufolge so aussehen: In Hongkong und den Vereinigten Arabischen Emiraten werden zunächst Mobiltelefone aus gebrauchten Bauteilen zusammengebaut. Dann werden die Geräte gereinigt und neu verpackt in die Niederlande verschickt. Von dort gelangen sie zu Lagern in Deutschland.

Auf Online-Marktplätzen können sie von Konsumenten in der gesamten EU gekauft werden. Mehr als eine Million Handys "führender Hersteller" sollen seit 2018 auf diese Weise vertrieben worden sein. Es handele sich um einen Top-Anbieter für Handys im Internet, hieß es seitens der EUStA.

15-Jährige in letzter Sekunde gerettet: Polizei fragt: Wer kennt diesen Sexualstraftäter?

"Beschämend und nicht hinnehmbar": Nach Skandal: Elitepolizisten müssen SEK verlassen

"Ich habe alle Videos selbst gemacht": Heimliche Wiesn-Aufnahmen: Konkrete Spuren liegen vor

Insgesamt sind nach Angaben der EUStA etwa 1.770 Steuer-, Zoll- und Polizeifahnder an der Aktion beteiligt. Die Maßnahmen finden neben Deutschland in Österreich, Belgien, Bulgarien, Kroatien, Zypern, Estland, Finnland, Italien, Lettland, Litauen, Luxemburg, Polen, Portugal, Rumänien, der Slowakei, Spanien, der Schweiz und den Niederlanden statt.

sueddeutsche.de: "Eine Million gefälschte Handys: Ermittler zerschlagen mutmaßliche Betrügerbande" (kostenpflichtig)

tagesschau.de: "Großrazzia gegen mutmaßliche Handy-Betrügerbande"

mit Material der Nachrichtenagentur dpa

Bildrechte: Leon Pollok

Quelle: t-online Panorama · Originalartikel

Die mobile Version verlassen