Christa Pike überlebte Todesstrafe: Bekommt sie nun die dritte Giftspritze?

Christa Pike gilt als einzige Person, die in den USA eine eigentlich tödlich wirkende Giftspritze injiziert bekam und das überlebte. Jetzt ist sie wieder bei Bewusstsein. Damit stellt sich die Frage: Was nun?

Sie ist bei Bewusstsein und spricht Bekommt Christa Pike jetzt die dritte Giftspritze?

Christa Pike gilt als einzige Person, die in den USA eine eigentlich tödlich wirkende Giftspritze injiziert bekam und das überlebte. Jetzt ist sie wieder bei Bewusstsein. Damit stellt sich die Frage: Was nun?

Nach der gescheiterten Hinrichtung von Christa Pike haben ihre Anwälte mitgeteilt, dass die 50-Jährige auf dem Weg der Genesung ist. "Entgegen allen Erwartungen" habe Pike im Krankenhaus das Bewusstsein wiedererlangt und könne sprechen.

Doch damit ist das Leben von Pike noch lange nicht gerettet. "Trotz der schweren Verletzungen an ihren Armen ist sie nach wie vor mit Hand- und Fußschellen ans Bett gefesselt", heißt es in der Erklärung der Anwälte weiter. Nach fast 30 Jahren Einzelhaft und nach zwei Injektionen des Hinrichtungsmittels Pentobarbital am vergangenen Mittwochabend (30. September) ist Pike noch immer eine zum Tode verurteilte US-Strafgefangene.

Nach missglückter Hinrichtung: Christa Pike ist wieder bei Bewusstsein

Todesstrafe: Christa Pike verzichtete auf letzte Mahlzeit – unter einer Bedingung

Die Frage lautet jetzt: Wird sie im Krankenhaus wieder gesund gepflegt – nur um dann erneut in den Todestrakt ihrer Haftanstalt in Nashville im Bundesstaat Tennessee verlegt zu werden und auf einen neuen Hinrichtungstermin warten zu müssen?

Gescheiterte Hinrichtung: Wie steht es um Pikes Gesundheit?

Die Diskussion darüber ist im Gange, und es gibt viele Ungewissheiten. Zunächst: Um hingerichtet zu werden, muss ein Delinquent geistig in der Lage sein, die Hinrichtung als Strafe für eine konkrete Tat zu erkennen. So entschied es der Supreme Court 2007 im Fall von Scott Panetti, der 1992 seine Schwiegereltern erschossen hatte und an paranoider Schizophrenie litt. Unter anderem wollte Panetti bei dem Prozess gegen ihn den Papst als Zeugen vorladen und war nach dem Urteil überzeugt, der Teufel verfolge ihn und habe das Todesurteil bewirkt.

Panetti starb 2025 nach langer juristischer Auseinandersetzung im Gefängnis. Er erlag auf der Krankenstation einem akuten Atemversagen. Hingerichtet wurde er nicht.

Bei Pike wird es also auch um ihren geistigen Gesundheitszustand gehen. Die Nachrichtenagentur AP zitierte in diesem Zusammenhang den Mediziner Joel Zivot, der das Anwaltsteam von Pike berät: Die bisherige Entwicklung lasse auf eine gute Genesung hoffen. Es könne allerdings Wochen oder Monate dauern, bis klar sei, ob Pikes Zurechnungsfähigkeit je so weit wiederhergestellt werden kann, dass der Staat einen erneuten Hinrichtungsversuch unternehmen darf.

Christa Pike: Wäre ein erneuter Hinrichtungsversuch erlaubt?

Eine weitere Perspektive bringt Deborah Denno in die Debatte ein. Sie ist Professorin für Rechtswissenschaften an der privaten Fordham University in New York City und befasst sich seit Jahrzehnten mit der Todesstrafe. Aus ihrer Sicht könnte ein weiterer Hinrichtungsversuch gegen das Verbot der Doppelbestrafung verstoßen: Niemand darf in den USA für dasselbe Vergehen zweimal bestraft werden.

Die gescheiterte Hinrichtung von Pike unterscheide sich fundamental von anderen gescheiterten Hinrichtungen mit der Giftspritze. In diesen sei es den Bundesstaaten erlaubt gewesen, einen erneuten Versuch zu unternehmen, nachdem es nicht gelungen war, den zum Tode Verurteilten einen geeigneten intravenösen Zugang zu legen, argumentiert Denno. Pike sei jedoch die erste Person, die überlebt habe, nachdem das tödliche Medikament tatsächlich injiziert wurde.

Das vorgesehene Protokoll sei in jedem einzelnen Punkt vorschriftsgemäß ausgeführt worden. Damit sei die Hinrichtung vollzogen worden, auch wenn Pike nicht gestorben sei.

Die Erklärung der Anwälte von Christa Pike im Wortlaut

"Entgegen allen Erwartungen ist Christa Pike bei Bewusstsein, kann sprechen und wird weiterhin intensivmedizinisch versorgt. Trotz der schweren Verletzungen an ihren Armen ist sie nach wie vor mit Hand- und Fußschellen ans Bett gefesselt. Ihre Genesung ist aus medizinischer Sicht beispiellos. Die Prognose bleibt unklar, doch wir rechnen mindestens mit einer langen Genesungszeit. Wir sind den Ersthelfern und dem medizinischen Team im Krankenhaus unglaublich dankbar, die Christa wie einen Menschen behandelt und ihr eine außergewöhnliche Betreuung zukommen lassen haben. Wir möchten uns auch bei den Tausenden Menschen aus aller Welt bedanken, die Nachrichten mit Gebeten und Unterstützung für Christa geschickt haben. Christas Leben war außerordentlich schwierig. Sie hat mehrere Vergewaltigungen in ihrer Kindheit überlebt – Erfahrungen, die laut politischen Verantwortlichen dieses Bundesstaats lebenslange Narben hinterlassen. Sie hat fast 30 Jahre Einzelhaft überlebt und zuletzt, in der Zeit vor ihrem Hinrichtungstermin, zunehmend restriktive Haftbedingungen. Sie hat zwei vollständige Durchgänge der Giftspritze nach dem Protokoll von Tennessee überlebt – obwohl ihre Anwälte den Staat ausdrücklich vor bestimmten Problemen mit ihren Venen gewarnt hatten. Sie ist die einzige bekannte Person in den USA, die einen vollständigen Hinrichtungsversuch überlebt hat. Christa ist eine Überlebende und wird ihre Genesung Tag für Tag angehen. Wir wiederholen unsere Forderung an den Gouverneur von Tennessee, Christa Pikes Urteil in eine lebenslange Haftstrafe ohne Möglichkeit auf Bewährung umzuwandeln."

Anders sieht das Michael Russo, Rechtsprofessor an der Seattle University. Er nannte die gescheiterte Hinrichtung zwar schrecklich und sagte, es gebe niemanden in der Rechtsgeschichte der USA, der das durchgemacht habe, was Christa Pike widerfahren sei. Zugleich betonte er aber, dass der Supreme Court einen erneuten Hinrichtungsversuch des Staates Tennessee wohl nicht stoppen würde: "Ich denke, der Oberste Gerichtshof würde sagen, dass ihr Urteil der Tod war – und nicht ein Hinrichtungsversuch."

"Eine Geschichte amerikanischer Strafbrutalität"

Unterdessen meldete sich mit David Raybin auch ein Verfassungsrechtler zu Wort, der 1977 an einer verfassungskonformen Neuauflage des Todesstrafengesetzes von Tennessee mitgearbeitet hatte. In einem Meinungsbeitrag verwies Raybin auf den seltsamen Widerspruch, der im Fall Pike offenbar geworden sei: dass der Staat erst alles unternahm, um den Tod der Verurteilten herbeizuführen, nur um sie dann plötzlich in ein Krankenhaus einweisen zu lassen, um sie zu heilen.

Im Gespräch mit dem Sender Fox 17 News erklärte Raybin die innere Logik dieses Vorgehens: Todesurteile müssen demnach im Gefängnis vollstreckt werden, daher sei es unmöglich gewesen, Christa Pike etwa durch Einstellung der lebenserhaltenden Maßnahmen im Krankenhaus zu töten. Das wäre Mord gewesen.

Allerdings verdeutlicht das Geschehene dem Verfassungsrechtler zufolge auch, wie überfordert die Behörden in den USA mit der Vollstreckung der Todesstrafe sind. Außerhalb der USA, wo die meisten Demokratien die Todesstrafe längst abgeschafft haben, lese sich dieser Fall "hauptsächlich wie eine Geschichte amerikanischer Strafbrutalität", schrieb er. Reporter, die bei dem Versuch, Christa Pike zu töten, zugegen waren, hätten auf der Pressekonferenz danach nicht einmal sicher sagen können, ob die Verurteilte noch lebte. Häufig seien die Vorhänge während der Hinrichtung ohne Erklärung zugezogen worden.

Raybins Fazit: Die US-Öffentlichkeit müsse nun dringend die praktische Wirksamkeit der Todesspritze diskutieren. Denn: "Ungeachtet der persönlichen Meinung zur Todesstrafe oder zum Schicksal von Christa Pike ist dieses Fiasko eine Beleidigung für die Familie des Opfers und unseres gesamten Strafrechtssystems."

Todesstrafen-Forscherin: Hinrichtungen werden immer grausamer

Offen ist bloß, was daraus folgen soll. In einem Aufsatz Anfang des Jahres hatte Todesstrafen-Forscherin Deborah Denno die verschiedenen Methoden miteinander verglichen, mit denen Menschen seit Bestehen der USA hingerichtet worden sind. Immer sei bei der Einführung einer neuen Hinrichtungsart mit vermeintlich mehr Humanität bei der Tötung argumentiert worden. Aber nie sei dieses Versprechen eingehalten worden. So seien die Hinrichtungen in den USA mit der Zeit immer grausamer geworden – bis hin zur Einführung der Stickstoffmethode.

Polizei sucht Täterinnen: "Geh sterben": Brutaler Angriff von Mädchen-Gang

Dennos These: Weil jede Methode irgendwann rechtlich angreifbar wird, greifen die US-Bundesstaaten zu neuen, kaum erprobten Verfahren. Die Staaten experimentieren also an Menschen, um sich nicht grundsätzlich von der Todesstrafe abwenden zu müssen.

static1.squarespace.com: Statement der Anwälte von Christa Pike

apnews.com: "Christa Pike is conscious and speaking after Tennessee failed execution, her attorneys say" (Englisch)

fox17.com: "Why is Christa Pike still on life support despite her death sentence?" (Englisch)

eu.tennessean.com: "How much does gender matter in the Christa Pike case? | Opinion" (Englisch)

nashvilletnlaw.com: "Lawyer for the Condemned: I Witnessed What Should be the Last Electric Chair Execution" (Englisch)

nytiumes.com: "Scott Panetti, 67, at the Center of a Landmark Death Penalty Case, Dies" (Englisch)

papers.ssrn.com: "Why Are Executions Becoming Crueler?"

Sie ist bei Bewusstsein und spricht Bekommt Christa Pike jetzt die dritte Giftspritze?

Christa Pike gilt als einzige Person, die in den USA eine eigentlich tödlich wirkende Giftspritze injiziert bekam und das überlebte. Jetzt ist sie wieder bei Bewusstsein. Damit stellt sich die Frage: Was nun?

Nach der gescheiterten Hinrichtung von Christa Pike haben ihre Anwälte mitgeteilt, dass die 50-Jährige auf dem Weg der Genesung ist. "Entgegen allen Erwartungen" habe Pike im Krankenhaus das Bewusstsein wiedererlangt und könne sprechen.

Doch damit ist das Leben von Pike noch lange nicht gerettet. "Trotz der schweren Verletzungen an ihren Armen ist sie nach wie vor mit Hand- und Fußschellen ans Bett gefesselt", heißt es in der Erklärung der Anwälte weiter. Nach fast 30 Jahren Einzelhaft und nach zwei Injektionen des Hinrichtungsmittels Pentobarbital am vergangenen Mittwochabend (30. September) ist Pike noch immer eine zum Tode verurteilte US-Strafgefangene.

Nach missglückter Hinrichtung: Christa Pike ist wieder bei Bewusstsein

Todesstrafe: Christa Pike verzichtete auf letzte Mahlzeit – unter einer Bedingung

Die Frage lautet jetzt: Wird sie im Krankenhaus wieder gesund gepflegt – nur um dann erneut in den Todestrakt ihrer Haftanstalt in Nashville im Bundesstaat Tennessee verlegt zu werden und auf einen neuen Hinrichtungstermin warten zu müssen?

Gescheiterte Hinrichtung: Wie steht es um Pikes Gesundheit?

Die Diskussion darüber ist im Gange, und es gibt viele Ungewissheiten. Zunächst: Um hingerichtet zu werden, muss ein Delinquent geistig in der Lage sein, die Hinrichtung als Strafe für eine konkrete Tat zu erkennen. So entschied es der Supreme Court 2007 im Fall von Scott Panetti, der 1992 seine Schwiegereltern erschossen hatte und an paranoider Schizophrenie litt. Unter anderem wollte Panetti bei dem Prozess gegen ihn den Papst als Zeugen vorladen und war nach dem Urteil überzeugt, der Teufel verfolge ihn und habe das Todesurteil bewirkt.

Panetti starb 2025 nach langer juristischer Auseinandersetzung im Gefängnis. Er erlag auf der Krankenstation einem akuten Atemversagen. Hingerichtet wurde er nicht.

Bei Pike wird es also auch um ihren geistigen Gesundheitszustand gehen. Die Nachrichtenagentur AP zitierte in diesem Zusammenhang den Mediziner Joel Zivot, der das Anwaltsteam von Pike berät: Die bisherige Entwicklung lasse auf eine gute Genesung hoffen. Es könne allerdings Wochen oder Monate dauern, bis klar sei, ob Pikes Zurechnungsfähigkeit je so weit wiederhergestellt werden kann, dass der Staat einen erneuten Hinrichtungsversuch unternehmen darf.

Christa Pike: Wäre ein erneuter Hinrichtungsversuch erlaubt?

Eine weitere Perspektive bringt Deborah Denno in die Debatte ein. Sie ist Professorin für Rechtswissenschaften an der privaten Fordham University in New York City und befasst sich seit Jahrzehnten mit der Todesstrafe. Aus ihrer Sicht könnte ein weiterer Hinrichtungsversuch gegen das Verbot der Doppelbestrafung verstoßen: Niemand darf in den USA für dasselbe Vergehen zweimal bestraft werden.

Die gescheiterte Hinrichtung von Pike unterscheide sich fundamental von anderen gescheiterten Hinrichtungen mit der Giftspritze. In diesen sei es den Bundesstaaten erlaubt gewesen, einen erneuten Versuch zu unternehmen, nachdem es nicht gelungen war, den zum Tode Verurteilten einen geeigneten intravenösen Zugang zu legen, argumentiert Denno. Pike sei jedoch die erste Person, die überlebt habe, nachdem das tödliche Medikament tatsächlich injiziert wurde.

Das vorgesehene Protokoll sei in jedem einzelnen Punkt vorschriftsgemäß ausgeführt worden. Damit sei die Hinrichtung vollzogen worden, auch wenn Pike nicht gestorben sei.

Die Erklärung der Anwälte von Christa Pike im Wortlaut

"Entgegen allen Erwartungen ist Christa Pike bei Bewusstsein, kann sprechen und wird weiterhin intensivmedizinisch versorgt. Trotz der schweren Verletzungen an ihren Armen ist sie nach wie vor mit Hand- und Fußschellen ans Bett gefesselt. Ihre Genesung ist aus medizinischer Sicht beispiellos. Die Prognose bleibt unklar, doch wir rechnen mindestens mit einer langen Genesungszeit. Wir sind den Ersthelfern und dem medizinischen Team im Krankenhaus unglaublich dankbar, die Christa wie einen Menschen behandelt und ihr eine außergewöhnliche Betreuung zukommen lassen haben. Wir möchten uns auch bei den Tausenden Menschen aus aller Welt bedanken, die Nachrichten mit Gebeten und Unterstützung für Christa geschickt haben. Christas Leben war außerordentlich schwierig. Sie hat mehrere Vergewaltigungen in ihrer Kindheit überlebt – Erfahrungen, die laut politischen Verantwortlichen dieses Bundesstaats lebenslange Narben hinterlassen. Sie hat fast 30 Jahre Einzelhaft überlebt und zuletzt, in der Zeit vor ihrem Hinrichtungstermin, zunehmend restriktive Haftbedingungen. Sie hat zwei vollständige Durchgänge der Giftspritze nach dem Protokoll von Tennessee überlebt – obwohl ihre Anwälte den Staat ausdrücklich vor bestimmten Problemen mit ihren Venen gewarnt hatten. Sie ist die einzige bekannte Person in den USA, die einen vollständigen Hinrichtungsversuch überlebt hat. Christa ist eine Überlebende und wird ihre Genesung Tag für Tag angehen. Wir wiederholen unsere Forderung an den Gouverneur von Tennessee, Christa Pikes Urteil in eine lebenslange Haftstrafe ohne Möglichkeit auf Bewährung umzuwandeln."

Anders sieht das Michael Russo, Rechtsprofessor an der Seattle University. Er nannte die gescheiterte Hinrichtung zwar schrecklich und sagte, es gebe niemanden in der Rechtsgeschichte der USA, der das durchgemacht habe, was Christa Pike widerfahren sei. Zugleich betonte er aber, dass der Supreme Court einen erneuten Hinrichtungsversuch des Staates Tennessee wohl nicht stoppen würde: "Ich denke, der Oberste Gerichtshof würde sagen, dass ihr Urteil der Tod war – und nicht ein Hinrichtungsversuch."

"Eine Geschichte amerikanischer Strafbrutalität"

Unterdessen meldete sich mit David Raybin auch ein Verfassungsrechtler zu Wort, der 1977 an einer verfassungskonformen Neuauflage des Todesstrafengesetzes von Tennessee mitgearbeitet hatte. In einem Meinungsbeitrag verwies Raybin auf den seltsamen Widerspruch, der im Fall Pike offenbar geworden sei: dass der Staat erst alles unternahm, um den Tod der Verurteilten herbeizuführen, nur um sie dann plötzlich in ein Krankenhaus einweisen zu lassen, um sie zu heilen.

Im Gespräch mit dem Sender Fox 17 News erklärte Raybin die innere Logik dieses Vorgehens: Todesurteile müssen demnach im Gefängnis vollstreckt werden, daher sei es unmöglich gewesen, Christa Pike etwa durch Einstellung der lebenserhaltenden Maßnahmen im Krankenhaus zu töten. Das wäre Mord gewesen.

Allerdings verdeutlicht das Geschehene dem Verfassungsrechtler zufolge auch, wie überfordert die Behörden in den USA mit der Vollstreckung der Todesstrafe sind. Außerhalb der USA, wo die meisten Demokratien die Todesstrafe längst abgeschafft haben, lese sich dieser Fall "hauptsächlich wie eine Geschichte amerikanischer Strafbrutalität", schrieb er. Reporter, die bei dem Versuch, Christa Pike zu töten, zugegen waren, hätten auf der Pressekonferenz danach nicht einmal sicher sagen können, ob die Verurteilte noch lebte. Häufig seien die Vorhänge während der Hinrichtung ohne Erklärung zugezogen worden.

Raybins Fazit: Die US-Öffentlichkeit müsse nun dringend die praktische Wirksamkeit der Todesspritze diskutieren. Denn: "Ungeachtet der persönlichen Meinung zur Todesstrafe oder zum Schicksal von Christa Pike ist dieses Fiasko eine Beleidigung für die Familie des Opfers und unseres gesamten Strafrechtssystems."

Todesstrafen-Forscherin: Hinrichtungen werden immer grausamer

Offen ist bloß, was daraus folgen soll. In einem Aufsatz Anfang des Jahres hatte Todesstrafen-Forscherin Deborah Denno die verschiedenen Methoden miteinander verglichen, mit denen Menschen seit Bestehen der USA hingerichtet worden sind. Immer sei bei der Einführung einer neuen Hinrichtungsart mit vermeintlich mehr Humanität bei der Tötung argumentiert worden. Aber nie sei dieses Versprechen eingehalten worden. So seien die Hinrichtungen in den USA mit der Zeit immer grausamer geworden – bis hin zur Einführung der Stickstoffmethode.

Polizei sucht Täterinnen: "Geh sterben": Brutaler Angriff von Mädchen-Gang

Dennos These: Weil jede Methode irgendwann rechtlich angreifbar wird, greifen die US-Bundesstaaten zu neuen, kaum erprobten Verfahren. Die Staaten experimentieren also an Menschen, um sich nicht grundsätzlich von der Todesstrafe abwenden zu müssen.

static1.squarespace.com: Statement der Anwälte von Christa Pike

apnews.com: "Christa Pike is conscious and speaking after Tennessee failed execution, her attorneys say" (Englisch)

fox17.com: "Why is Christa Pike still on life support despite her death sentence?" (Englisch)

eu.tennessean.com: "How much does gender matter in the Christa Pike case? | Opinion" (Englisch)

nashvilletnlaw.com: "Lawyer for the Condemned: I Witnessed What Should be the Last Electric Chair Execution" (Englisch)

nytiumes.com: "Scott Panetti, 67, at the Center of a Landmark Death Penalty Case, Dies" (Englisch)

papers.ssrn.com: "Why Are Executions Becoming Crueler?"

Bildrechte: Matti Hartmann

Quelle: t-online Panorama · Originalartikel

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