Wer Antibiotika nimmt, darf keinen Alkohol trinken? Jein: Ob Alkoholkonsum während der Behandlung zu meiden ist, hängt vom Antibiotikum ab.
Verzicht ist meist besser Alkohol und Antibiotika – bei gewissen Wirkstoffen riskant
Wer Antibiotika nimmt, darf keinen Alkohol trinken? Jein: Ob Alkoholkonsum während der Behandlung zu meiden ist, hängt vom Antibiotikum ab.
Antibiotika sind Medikamente, die bakteriellen Erkrankungen entgegenwirken – zum Beispiel durch Bakterien ausgelösten Infekten der Harnwege, Lungen oder Mandeln. Jedes verfügbare Antibiotikum hilft nur gegen bestimmte Bakterien. Deshalb wurden viele antibiotische Wirkstoffe entwickelt, die je nach Art des jeweils ursächlichen Bakteriums zum Einsatz kommen können.
Antibiotikum ist also nicht gleich Antibiotikum: Es gibt inzwischen mehr als 15 Stoffklassen, die sich in ihrem chemischen Aufbau und ihrer Wirkungsweise unterscheiden. Verschieden sind somit auch die Regeln, die es bei der Einnahme zu beherzigen gibt – etwa im Hinblick auf Alkohol.
Ob Alkoholkonsum im Rahmen einer Antibiotikatherapie riskant ist, hängt aber nicht nur vom genauen Medikament ab. Die Erkrankung und die sonstige gesundheitliche Verfassung der erkrankten Person spielen ebenfalls eine Rolle. Wer ein Antibiotikum verschrieben bekommt, sollte daher zunächst mit der Ärztin oder dem Arzt besprechen, ob es vertretbar ist, während der Behandlung Alkohol zu trinken – und wenn ja, wie viel.
Antibiotika und Alkoholkonsum – wann Beschwerden drohen
Bei bestimmten Antibiotika ist Alkohol tabu, bei anderen lässt sich auf Basis der Fachliteratur keine eindeutige Empfehlung aussprechen. Entscheidend ist, welches Präparat eingenommen wird:
Ethionamid, ebenfalls ein Medikament gegen Tuberkulose
Cotrimoxazol, eine Kombination aus den Wirkstoffen Trimethoprim und Sulfamethoxazol, mit der zum Beispiel einige Atemwegsinfektionen behandelt werden
bestimmte Cephalosporine, darunter Cefotetan und Cefoperazon
Metronidazol, das etwa gegen bestimmte Infektionen des Magen-Darm-Trakts und der Scheide helfen kann
Linezolid, welches bei bestimmten Infektionen der Lunge sowie bei schweren Haut- und Weichteilinfektionen eingesetzt wird
Je nach Mittel birgt die Kombination mit Alkohol unterschiedliche Risiken. Bei einigen Antibiotika besteht das Problem darin, dass sie die Leber schädigen können. Trinkt die oder der Behandelte zusätzlich Alkohol, wird die Leber noch stärker belastet, und es kann zu Leberschäden bis hin zur Entzündung (Hepatitis) kommen. Darum ist beispielsweise davon abzuraten, während einer Therapie mit Isoniazid oder Ethionamid Alkohol zu konsumieren.
Während der Einnahme bestimmter Cephalosporine wie Cefotetan und Cefoperazon ist Alkohol aus einem anderen Grund zu meiden: Es kann sonst zu einer Disulfiram‑ähnlichen Reaktion kommen – so nennen Mediziner Beschwerden, die auftreten, wenn der Körper Alkohol nicht wie üblich abbaut. Dazu zählen Hautrötung, Übelkeit, Erbrechen, Kopfschmerzen, Schwindel, Herzrasen und ein Abfall des Blutdrucks.
Der Name geht auf Disulfiram zurück, einen Wirkstoff, der mit Antibiotika eigentlich nichts zu tun hat. Vielmehr kommt er bei Menschen mit Alkoholgebrauchsstörung zum Einsatz, die eine erzwungene Abstinenz anstreben: Disulfiram hemmt die Aldehyddehydrogenase (ALDH), das Enzym, das normalerweise das beim Alkoholabbau entstehende Acetaldehyd abbaut.
In der Folge reichert sich Acetaldehyd im Körper an, was die erwähnten Symptome auslösen kann. Diese wurden auch bei bestimmten Cephalosporinen als unerwünschte Arzneimittelwirkung beobachtet, wenn während der Therapie Alkohol konsumiert wurde. Daher ist von einer Disulfiram-ähnlichen Reaktion die Rede.
Für Metronidazol gibt es ebenfalls entsprechende Fallberichte. Es ist jedoch nicht eindeutig belegt, wie häufig eine echte Disulfiram‑ähnliche Reaktion unter diesem Wirkstoff auftritt. Kontrollierte Studien fanden keinen zuverlässigen Acetaldehyd‑Anstieg und keine eindeutigen Disulfiram‑Symptome, während andere Untersuchungen und Fallberichte über solche Reaktionen berichten. Die Ergebnisse sind somit widersprüchlich.
Bei manchen Antibiotika ist Alkohol selbst nicht das Problem, sondern ein bestimmter Stoff, der in gewissen beliebten alkoholischen Getränken vorkommt: Tyramin. Unter anderem ist er in Fassbier und Rotwein enthalten.
Tyramin ist zunächst ungefährlich. Wenn der Körper größere Mengen davon zugeführt bekommt, können bestimmte Enzyme es einfach abbauen. Linezolid hemmt diese Enzyme aber. In der Folge reichert sich vermehrt Tyramin im Körper an. Ein Übermaß an Tyramin kann den Blutdruck erhöhen und unter Umständen Herzklopfen, Kopfschmerzen oder Unwohlsein auslösen.
In einigen Fällen ist es ratsam, auch nach Abschluss der Behandlung noch für einige Tage auf Alkohol zu verzichten. Ob diese Notwendigkeit besteht, kann die Ärztin oder der Arzt am besten beurteilen.
Mindert Alkohol die Wirkung von Antibiotika?
Die meisten Antibiotika wirken auch bei gleichzeitigem Alkoholkonsum. Es gibt allerdings Ausnahmen wie zum Beispiel das Mittel Erythromycin, welches unter anderem bei Keuchhusten, einer bakteriellen Bronchitis oder Mittelohrentzündung zum Einsatz kommen kann. Trinkt die oder der Behandelte Alkohol, kann sich der Wirkungseintritt verzögern und die Wirksamkeit möglicherweise abnehmen.
Antibiotika und Alkohol – wann unbedenklich?
Ob und wie viel Alkohol während einer Antibiotikatherapie vertretbar ist, hängt vom jeweiligen Wirkstoff, der Erkrankung und der individuellen gesundheitlichen Situation ab. Wer während der Einnahme trinken möchte, sollte das mit der Ärztin oder dem Arzt besprechen.
Bei vielen antibiotischen Wirkstoffen sind keine gefährlichen Wechselwirkungen zu erwarten, wenn Patientinnen oder Patienten während der Behandlung geringe Mengen Alkohol zu sich nehmen.
Bier bei Herzproblemen: Schon ab dieser Menge wird's gefährlich
Vorsicht, Wechselwirkungen: Diese Getränke sollten Sie nicht mit Antibiotika kombinieren
Alkohol zum Einschlafen: Das passiert, wenn Sie vor dem Zubettgehen Wein oder Bier trinken
Gleichwohl ist Alkoholkonsum während der Therapie nicht ungefährlich: Alkohol kann häufige Nebenwirkungen wie Übelkeit und Schwindel verstärken, den Schlaf beeinträchtigen, die Genesung verlangsamen und die Leber belasten oder schädigen.
Online-Informationen von AMBOSS: www.amboss.com (Abrufdatum: 11.9.2026), kostenpflichtig
Online-Informationen von Deximed: deximed.de (Abrufdatum: 14.3.2023), kostenpflichtig
Online-Informationen von Gelbe Liste Pharmaindex: www.gelbe-liste.de (Abrufdatum: 11.9.2026)
Online-Informationen des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG): www.gesundheitsinformation.de (Abrufdatum: 11.9.2026)
"Can You Drink Alcohol With Antibiotics?" Online-Informationen von drugs.com: drugs.com (Stand: 21.8.2026)
Mergenhagen, K. A., et al.: "Fact versus Fiction: a Review of the Evidence behind Alcohol and Antibiotic Interactions". Antimicrobial Agents and Chemotherapy, Vol. 64, Iss. 3, e02167-19 (Februar 2020)
Die Informationen ersetzen keine ärztliche Beratung und dürfen daher nicht zur Selbsttherapie verwendet werden.
Antibiotika vor oder nach dem Essen?
Verzicht ist meist besser Alkohol und Antibiotika – bei gewissen Wirkstoffen riskant
Wer Antibiotika nimmt, darf keinen Alkohol trinken? Jein: Ob Alkoholkonsum während der Behandlung zu meiden ist, hängt vom Antibiotikum ab.
Antibiotika sind Medikamente, die bakteriellen Erkrankungen entgegenwirken – zum Beispiel durch Bakterien ausgelösten Infekten der Harnwege, Lungen oder Mandeln. Jedes verfügbare Antibiotikum hilft nur gegen bestimmte Bakterien. Deshalb wurden viele antibiotische Wirkstoffe entwickelt, die je nach Art des jeweils ursächlichen Bakteriums zum Einsatz kommen können.
Antibiotikum ist also nicht gleich Antibiotikum: Es gibt inzwischen mehr als 15 Stoffklassen, die sich in ihrem chemischen Aufbau und ihrer Wirkungsweise unterscheiden. Verschieden sind somit auch die Regeln, die es bei der Einnahme zu beherzigen gibt – etwa im Hinblick auf Alkohol.
Ob Alkoholkonsum im Rahmen einer Antibiotikatherapie riskant ist, hängt aber nicht nur vom genauen Medikament ab. Die Erkrankung und die sonstige gesundheitliche Verfassung der erkrankten Person spielen ebenfalls eine Rolle. Wer ein Antibiotikum verschrieben bekommt, sollte daher zunächst mit der Ärztin oder dem Arzt besprechen, ob es vertretbar ist, während der Behandlung Alkohol zu trinken – und wenn ja, wie viel.
Antibiotika und Alkoholkonsum – wann Beschwerden drohen
Bei bestimmten Antibiotika ist Alkohol tabu, bei anderen lässt sich auf Basis der Fachliteratur keine eindeutige Empfehlung aussprechen. Entscheidend ist, welches Präparat eingenommen wird:
Ethionamid, ebenfalls ein Medikament gegen Tuberkulose
Cotrimoxazol, eine Kombination aus den Wirkstoffen Trimethoprim und Sulfamethoxazol, mit der zum Beispiel einige Atemwegsinfektionen behandelt werden
bestimmte Cephalosporine, darunter Cefotetan und Cefoperazon
Metronidazol, das etwa gegen bestimmte Infektionen des Magen-Darm-Trakts und der Scheide helfen kann
Linezolid, welches bei bestimmten Infektionen der Lunge sowie bei schweren Haut- und Weichteilinfektionen eingesetzt wird
Je nach Mittel birgt die Kombination mit Alkohol unterschiedliche Risiken. Bei einigen Antibiotika besteht das Problem darin, dass sie die Leber schädigen können. Trinkt die oder der Behandelte zusätzlich Alkohol, wird die Leber noch stärker belastet, und es kann zu Leberschäden bis hin zur Entzündung (Hepatitis) kommen. Darum ist beispielsweise davon abzuraten, während einer Therapie mit Isoniazid oder Ethionamid Alkohol zu konsumieren.
Während der Einnahme bestimmter Cephalosporine wie Cefotetan und Cefoperazon ist Alkohol aus einem anderen Grund zu meiden: Es kann sonst zu einer Disulfiram‑ähnlichen Reaktion kommen – so nennen Mediziner Beschwerden, die auftreten, wenn der Körper Alkohol nicht wie üblich abbaut. Dazu zählen Hautrötung, Übelkeit, Erbrechen, Kopfschmerzen, Schwindel, Herzrasen und ein Abfall des Blutdrucks.
Der Name geht auf Disulfiram zurück, einen Wirkstoff, der mit Antibiotika eigentlich nichts zu tun hat. Vielmehr kommt er bei Menschen mit Alkoholgebrauchsstörung zum Einsatz, die eine erzwungene Abstinenz anstreben: Disulfiram hemmt die Aldehyddehydrogenase (ALDH), das Enzym, das normalerweise das beim Alkoholabbau entstehende Acetaldehyd abbaut.
In der Folge reichert sich Acetaldehyd im Körper an, was die erwähnten Symptome auslösen kann. Diese wurden auch bei bestimmten Cephalosporinen als unerwünschte Arzneimittelwirkung beobachtet, wenn während der Therapie Alkohol konsumiert wurde. Daher ist von einer Disulfiram-ähnlichen Reaktion die Rede.
Für Metronidazol gibt es ebenfalls entsprechende Fallberichte. Es ist jedoch nicht eindeutig belegt, wie häufig eine echte Disulfiram‑ähnliche Reaktion unter diesem Wirkstoff auftritt. Kontrollierte Studien fanden keinen zuverlässigen Acetaldehyd‑Anstieg und keine eindeutigen Disulfiram‑Symptome, während andere Untersuchungen und Fallberichte über solche Reaktionen berichten. Die Ergebnisse sind somit widersprüchlich.
Bei manchen Antibiotika ist Alkohol selbst nicht das Problem, sondern ein bestimmter Stoff, der in gewissen beliebten alkoholischen Getränken vorkommt: Tyramin. Unter anderem ist er in Fassbier und Rotwein enthalten.
Tyramin ist zunächst ungefährlich. Wenn der Körper größere Mengen davon zugeführt bekommt, können bestimmte Enzyme es einfach abbauen. Linezolid hemmt diese Enzyme aber. In der Folge reichert sich vermehrt Tyramin im Körper an. Ein Übermaß an Tyramin kann den Blutdruck erhöhen und unter Umständen Herzklopfen, Kopfschmerzen oder Unwohlsein auslösen.
In einigen Fällen ist es ratsam, auch nach Abschluss der Behandlung noch für einige Tage auf Alkohol zu verzichten. Ob diese Notwendigkeit besteht, kann die Ärztin oder der Arzt am besten beurteilen.
Mindert Alkohol die Wirkung von Antibiotika?
Die meisten Antibiotika wirken auch bei gleichzeitigem Alkoholkonsum. Es gibt allerdings Ausnahmen wie zum Beispiel das Mittel Erythromycin, welches unter anderem bei Keuchhusten, einer bakteriellen Bronchitis oder Mittelohrentzündung zum Einsatz kommen kann. Trinkt die oder der Behandelte Alkohol, kann sich der Wirkungseintritt verzögern und die Wirksamkeit möglicherweise abnehmen.
Antibiotika und Alkohol – wann unbedenklich?
Ob und wie viel Alkohol während einer Antibiotikatherapie vertretbar ist, hängt vom jeweiligen Wirkstoff, der Erkrankung und der individuellen gesundheitlichen Situation ab. Wer während der Einnahme trinken möchte, sollte das mit der Ärztin oder dem Arzt besprechen.
Bei vielen antibiotischen Wirkstoffen sind keine gefährlichen Wechselwirkungen zu erwarten, wenn Patientinnen oder Patienten während der Behandlung geringe Mengen Alkohol zu sich nehmen.
Bier bei Herzproblemen: Schon ab dieser Menge wird's gefährlich
Vorsicht, Wechselwirkungen: Diese Getränke sollten Sie nicht mit Antibiotika kombinieren
Alkohol zum Einschlafen: Das passiert, wenn Sie vor dem Zubettgehen Wein oder Bier trinken
Gleichwohl ist Alkoholkonsum während der Therapie nicht ungefährlich: Alkohol kann häufige Nebenwirkungen wie Übelkeit und Schwindel verstärken, den Schlaf beeinträchtigen, die Genesung verlangsamen und die Leber belasten oder schädigen.
Online-Informationen von AMBOSS: www.amboss.com (Abrufdatum: 11.9.2026), kostenpflichtig
Online-Informationen von Deximed: deximed.de (Abrufdatum: 14.3.2023), kostenpflichtig
Online-Informationen von Gelbe Liste Pharmaindex: www.gelbe-liste.de (Abrufdatum: 11.9.2026)
Online-Informationen des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG): www.gesundheitsinformation.de (Abrufdatum: 11.9.2026)
"Can You Drink Alcohol With Antibiotics?" Online-Informationen von drugs.com: drugs.com (Stand: 21.8.2026)
Mergenhagen, K. A., et al.: "Fact versus Fiction: a Review of the Evidence behind Alcohol and Antibiotic Interactions". Antimicrobial Agents and Chemotherapy, Vol. 64, Iss. 3, e02167-19 (Februar 2020)
Die Informationen ersetzen keine ärztliche Beratung und dürfen daher nicht zur Selbsttherapie verwendet werden.
Antibiotika vor oder nach dem Essen?
Bildrechte: Lydia Klöckner
Quelle: t-online Gesundheit · Originalartikel













